Off the beaten path

Abseits des Trubels in den Trubel. Und die Erkenntnis, das Ecken gar nicht so schlecht sind …

Es fällt gar nicht so leicht, die neuen Eindrücke zu beschreiben und zu vermitteln. Dort wo das Hotel ist, ist ein unablässlicher Geräuschpegel zu hören, ist dauernd was los, und laufen zum größten Teil die Leute rum, die man da auch erwartet. Sprich, alle modern angezogen, teilweise in den neusten Desingerklamotten, alle sehr westlich gestylt. Wenn ich mir die jugendlichen Jungs anschaue, denke ich immer „Tokyo Hotel“ läuft mir in die Arme. Schlabberhosen bis auf die Hüfte, Schirmmützen schräg aufgesetzt und nett Kayalstift um die Augen. Die Läden, besser gesagt Desingerläden, in den einzelnen Malls warten mit der neusten Mode auf. Gucci, Boss, D&G , Nike … und bei weitem keine Fakes. Alles in allem eine interessante Glitzerwelt, sehr kommerziell geprägt. Es gibt alles im Überfluss und es scheint auch konsumiert zu werden.

Shanghai #24Bewegt man sich dann abseits dieses Bereiches, wie ich es am Wochende getan habe, entdeckt man dann aber auch ganz andere Seiten von Shangahi. Kleine Straßen, abgeschirmt durch Tore, durch die man nur kommt, wenn man in dem Wohnblock, oder der Siedlung wohnt. (Wurde doch zweimal nett gebeten von einem Wachmann gebeten, wieder zurückzugehen. tz :)). Dort wird die Wäsche einfach auf Holzstangen nach draussen gehängt, und sozusagen auf der Straße getrocknet. Allerdings hab ich mich so ein paar mal gefragt, wie denn die Wäsche bei den Temperaturen trocken werden soll, und… ob die Wäsche nach dem Trocknen nicht ungleich schmutziger ist, als vorher. Denn… so staubige Straßem hab ich bisher in meinem Leben noch nicht gesehen. Nun gut… die wissen schon, was sie hier tun.

In diesen kleinen Straßen, stehen die Häser bis nah an die Straße, und wenn denn mal ein Auto kommt, springt man am besten in einen Hauseingang, so denn da nicht grade zufälligerweise wieder eine Art „Shop“ unterbracht ist. Denn das ist wiederum erstaunlich, jeder Platz wird mit einem Shop oder einem Geschäft ausgestattet. Da gibt es neben Autoreperaturwerkstätten, Friseuersalons auch kleinste Küchen. Und teilweise scheinen die Menschen auch gleich in ihren Geschäften zu leben. Oftmal sieht man im Hintergrund Betten stehen. Laut Aussage der Kollegen ist es wohl wirklich so, das die Menschen teilweise Wohnung und Geschäft teilen. Keine sehr schöne Vorstellung…find ich. Nun gut.

Was weiter auffällt… der Lärm ist weg. Unglaublich. Zwei Querstraßen weiter oben oder unten, tobt der tägliche Straßenkrieg, und in den pitoresken (geiles Wort, was? ;) ) Straßen herrscht gemütliche Stille. Hätte ich jetzt nicht erwartet, ist aber eine Wohltat für die Ohren. In diesen Bereichen der „Abgeschiedenheit“, leider auch Abgeschiedenheit vom „Luxus“, findet man auch kleine Parks in denen Männergruppen zusammenstehen und Karten spielen oder Brettspiele spielen. Sieht so ähnlich aus wie Schach, ist es aber wohl nicht. Hier herrscht eine ebenso beschauliche Ruhe wie in den Straßen rund um den Park. Erstaunlich.

Allerdings… es gibt auch die touristisch anziehenden Gärten und Parks, und da ist dann nix mehr mit Ruhe. :) So zb der Yu-Garden. Total überlaufen und mitten im Herzen der Alt-Stadt. Erstmal ist es ein Abenteuer dort überhaupt hinzugelangen… man muss ich durch eine Art „Markt“ schlagen, wo man alles kaufen kann, was man sich vorstellen und auch nicht vorstellen kann. Unglaublich… man nehme einen Trödelmarkt mal zehn, packe eine Kirmes hinzu, und dann noch den ersten Samstag in Kaunitz und man hat in etwa das, was da abgeht. Auch hier laufen die „Lokki-Lokki-Watch-Bag-Boys” rum, aber nicht so penetrant wie auf der Nanjing-Lu. So langsam gewöhnt man sich an die. :) und man kann sich auch „rächen“…siehe weiter unten…aber das ne andere Geschichte..

Auf / in / an (keine Ahnung), wie ich das beschreiben soll, kann man wie gesagt alles kaufen… nur man sollte Abstand davon nehmen, das es sich in irgendeiner Weise um Original Waren handelt. :) Das Ganze ist ein großer Fakemarket… und die scheuen sich nichtmal davor, Brand-Namen und Zeichen zu ändern. Das Beste, was ich gesehen habe, war die übelste Kopie eines Apple iPods. Sah zwar von weiten ähnlich aus, hatte aber nichts mit einem iPod zu tun. Das Beste… das Ding nennt sich iPod und auch das Apple-Logo prangt auf der Vorderseite. *muahahauah* Ich versuch davon nochmal nen Bild zu machen.

Nun gut…hat man sich durch diesen Markt geschlängelt, was einige Zeit in Anspruch nehmen kann das es wirklich interessante Sachen zu bestaunen gibt, kommt man schliesslich am Yu-Garden an. Neben dem Teehaus, welches in Mitten eines kleines Teiches liegt, ist natürlich der Garten an sich recht interessant. Schwupps… 30 Y Eintritt bezahlen (im übrigen ein Preis, den ich Ok finde) und man kann diesen Garten bewundern. Meines Erachtens lohnt es sich schon sich ihn anzuschauen, auch wenn man nicht unbedingt so auf Gärten steht. Die Anlage an und für sich ist nett anzuschauen.

Shanghai #29Dann zum Abschluss einen Tee im besagten Teehaus. Ein Muss? Nööö…im nachhinein betrachtet mit Sicherheit nicht, und auch etwas Nepp. Aber… egal. Ein Tee mit nem bisschen Gebäck und keine-Ahnung-was-für-Tofu-Scheiben… muss man gehabt haben, auch wenn es so 80 Y gekostet hat. ;) Das Teehaus erreicht man im übrigen über eine ZickZack-Brücke mit 9 Zacken. Ha… und wer hätte es nicht gewusst, warum die Brücke eben ZickZack-ig ist und 9 Zacken ihr eigen nennt?? Na… ist doch klar… Böse Geister können nur geradeaus laufen und so können sie durch die Brücke also nie das Teehaus erreichen. War klar…oder? :)

Rechter Hand hinter dem Teehaus befindet sich ein Tempel, den man natürlich unbedingter Weise gesehen haben muss. Weil… „Du sollst nicht mehrere Götter haben … usw usw…“ gilt hier nicht. Die haben mal schlapp zig Götter. Sind angeblich „nur“ Stadtgötter, aber immerhin so 30 – 40 an der Zahl. Leider sind die einzelnen Erklärungen nur in Chinesisch angebracht, so das es mir schwer möglich war, den richtigen Gott für meine Belange anzusprechen. Ich habs dann halt unterlassen, und mir eher die Menschen angeschaut, die mit einem Bündel voller Räucherstäbchen vor diesen Gottheiten standen und sich verneigten. Dazu war der Geruch der Räucherstäbchen gar nicht mal übel, nur die Konzentration war etwas heftig. (Soll sich mal noch einer beschweren, in meinem Büro wär dicke Luft. :) ).

Shanghai #27

Shanghai #30Shanghai #31

Im übrigen tragen die Straßen wirklich leider keine Namen, und wenn, dann nur chinesiche, so das eine Orientierung teilweise schwerfällt. Auch die Hotel-eigene Karte ist nicht wirklich hilfreich, da ich gar nicht in der Lage war/bin so schnell und zweifelsfrei chinesische Schriftzeichen auf der Karte mit denen auf dem Straßenschild zu vergleichen. Zumal, wenn man ungünstig stehen bleibt, mindestens zwei „Lokki-Lokki-Watch-Bag-Boys” angestürmt kommen, der eine links, der andere rechts an deinen Armen zupft, und dir seine laminierte Karte mit den überaus preiswerten und hochwertigen Rolex-Uhren und Gucci-Taschen unter die Nase hält, und dabei natürlich die Karte verdeckt, auf der ich gerade versuchte, das fünfte Zeichen des Straßennamens mit dem fünften Zeichen der gedachten Straße auf der Karte zu vergleichen. Also… am besten gleich lassen, sich nach Karte zu orientieren. :-)

Was macht ein alter Pfadfinder also? Klar… Himmelsrichtungen. Und das ist dann wiederum recht einfach und führt meistens zum Ziel. Vorher kurz schauen, wo man in etwa hin will, um sich dann an den zwei/drei markanten Punkten, die weithin sichtbar sind zu orinetieren. Zum einen ist das der Oriental Pearl Tower (dieser überaus hässliche Fernsehturm), zum anderen das Shimyo Gebäude. Anhand dieser Gebäude ist es dann einfach zumindest eine Richtung beizubehalten. Ab und zu verliert man zwar beide aus den Augen, da es durch die engstehenden Häusern in den Gassen nicht möglich ist überhaupt was vom Himmel zu sehen, aber… geht schon.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.