Niiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiice … oder warum man den Schildern „Watch your Step“ am GC Aufmerksamkeit schenken sollte

Weiter geht’s. Von Tusayan nach Page. Nochmal am Grand Canyon vorbei, auf dem East Rim Drive nach Osten. Über Cameron und den Marble Canyon zum Horseshoe Bend und nach Page.

Leider war es am Grand Canyon auch wieder sehr diesig und die Fernsicht hielt sich in Grenzen. Muss man wohl nochmals im Winter wiederkommen, wenn die Luft klarer und reiner ist. Nichtsdestotrotz ist die Weite des Canyons einmalig und auch an den anderen Aussichtspunkten „spürbar“, und hier und da auch „sehbar“. Am beeindruckendsten sind die Farbspiele der verschiedenen Gesteinsschichten. Von grau-grün, über grau und grün hinzu rot und weiß und weiß-rot. Kaum zu glauben das der Prozess der den Canyon hat entstehen lassen, seit ca. 1,8 Milliarden Jahren andauert. Was sind da schon meine 36 Lenze? Hauptsächlich hat der Colorado River dazu beigetragen, den Canyon in seiner heutigen Form entstehen zu lassen. Als „damals“ Pangea auseinander gebrochen ist, hat sich durch tektonische Verschiebungen das Hochplateau aufgeschoben. Alsdann fingen der Colorado und Wind und Wetter an, den Canyon in das Hochplateau zu schneiden. Der Grand Canyon misst mal eben schlappe 270 Meilen in der Länge, wo ich mal grade einen Bruchteil von gesehen habe. Ich hoffe, die Bilder können einen Eindruck von dem wiedergeben, was den Blick erwartet. Ich habe aber immer das Gefühl, das selbst 12 mm nicht ausreichen um die Ausmaße nur ansatzweise wiederzugeben. Beeindruckend ist es allemal, und die die schon mal da waren können das bestimmt bestätigen.

Angesichts der Temperaturen war es eine gute Entscheidung nicht in den Canyon zu wandern. Hätte sich der Weg und die zu erwartende Tortur wirklich gelohnt? Um zu sagen… „Ich war da unten?“ Nicht immer ist alles gut mitzumachen und man muss auch mal zu Entscheidungen stehen. So denke ich, war es eine gute Entscheidung die im Umkehrschluss wieder mehr Raum für andere Dinge gelassen hat, rsp. lassen wird. (ohne das jetzt „entschuldigen“ zu wollen.)

Was mich am Canyon Rand etwas befremdet hat, war z.B. wie nah mancher Tourist in Flip-Flops an den Canyon Rand ging oder gehen musste, um mit einer Ritsch-Ratsch-Klick-Kamera das ultimative Erinnerungsbild schießen zu müssen oder zu wollen. Zum einen lässt sich darüber streiten, ob Vatti, 55, mit heftigem Bauchansatz, Sandalen (wahlweise mit weißen oder gestreiften Strümpfen) und einem T-Shirt, mit dem mittlerweile verwaschenen Aufdruck „Yes, we can!„, wirklich so fotogen ist oder nicht. Wem werden solche Bilder gezeigt? Zum anderen… Warum setzten sich Leute einer solchen Gefahr aus? Wirklich, es ging an der Stelle wo ich die Sonnenuntergangsbilder geschossen habe bestimmt 300 Meter in die Tiefe. Ein Schritt von Vatti nach hinten und er hätte überprüfen können, ob „Yes, we can!“ auch für das Fliegen gilt. Mutti, ebenfalls einen süßen Bauchansatz, Flip-Flops und Leggins, schoss die Bilder von Vatti, hatte allerdings Angst näher an den Abgrund zu treten, was ich sehr gut nachvollziehen konnte. Sie sagte nur bei jeder Pose von Vatti: „Nice“, „Nice“, „Very Nice“. Beim vierten „Nice“ hatte ich allerdings wieder kurzzeitig Angst um Vatti, weil ein Schrittchen weiter und aus dem „Nice“ wäre eine „Niiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiice“ geworden. Solange hätte der freie Fall wohl gedauert.
(Um ängstlichen Lesern die Angst zu nehmen… ich stand/saß weit genug weg vom Rand, da konnte nix passieren.)

Gegen Mittag heißt es „Auf Wiedersehen“ South Rim, nachdem ich noch an einigen Punkten wie dem Grandview und dem Desert View einen Blick in den (diesigen) Canyon werfen konnte. Vom South Rim geht es durch Niemandsland Richtung Cameron. Immer wieder erhascht man einen Blick auf den weitläufigen Canyon. (Ihr erinnert euch? 270 Meilen lang.) An einem kleinen Viewpoint mache ich noch einen Stop, um in den Little Colorado River Canyon zu schauen. Dabei sollten man auf Schlangen achten. Leider hab ich keine gesehen. Schade. Unterwegs sieht man alle paar Meilen die kleinsten Siedlungen von Navajo-Indianern. Bestehen aus max. 10 verfallenen Häusern oder Wohnwagen die ihre bessere Zeiten schon längst hinter sich haben, fernab jeder Zivilisation. Weit und breit keine größere Stadt, mitten im Nichts.

Ab Cameron wird der Verkehr wieder etwas dichter, aber man kann das Auto einfach schön auf Tempomat stellen und mit 65 mph durch Arizona cruisen. Das ist es wohl, was man darunter versteht. Selbst als Fahrer kann man die Beine hochnehmen, da man die Strecke 10 Meilen vor sich im Blick hat, und sofort auf Gefahren reagieren könnte. Oder so. (Nein, hab ich natürlich nicht gemacht, aber man könnte, wenn man wollte.) Es ist wie immer sehr entspannend.

30 Meilen vor Page geht es links Richtung Marble Canyon und den Vermillion Cliffs. Auf rund 15 Meilen grader Strecke fährt man an den Vermillion Cliffs vorbei. Hmmm… man könnte wieder ein paar Superlative auspacken um diesen Höhenzug zu beschreiben, aber ich nehme jetzt mal nur eins… Grandios. Sowohl in Farben und Form. In gut einer Woche werden ich die Vermillion Cliffs noch von der anderen Seite her sehen, heute muss Eindruck reichen, den sie auf der Fahrt zum Marble Canyon hinterlassen.

Warum der Marble Canyon? Nun… das ist praktisch der „Grand Canyon Sky View“ für Arme und man kann direkt über dem Canyon und dem Colorado River Bilder schießen. Über den Marble Canyon führen zwei Brücken, die die Navajo Indianer hier gebaut haben. Eine für Autos, eine für Fussgänger. In einer Höhe von ca. 600ft (=200m) kann man auf der Fussgängerbrücke direkt auf den unten fliessenden Colorado River schauen, der sich grün-bläulich seinen Weg bahnt. Was auffällt, ist die von oben erkennbare, heftige und starke Strömung. Da unten muss es gut abgehen. Habt ihr, wenn ihr so hoch oben auf einer Brücke steht, und unter euch ein Fluss fliesst, eigentlich auch mal den Gedanken: „Was würde eigentlich passieren, wenn ich das jetzt runterspringe?“ Komisch… in solchen „Situationen“ stell ich mir ab und zu solche Fragen. Egal.

Unangenehm ist nur wieder der sehr warme, ok….. heisse Wind. Es sind 99°F und der Wind der durch den Canyon bläst ist heiss. Man fühlt sich so, als man gerade den Backofen mit der leckeren Dr. Oetker Pizza drinnen aufgemacht hätte. Nur die Pizza fehlt noch.

Im übrigen ist die Navajo Bridge die einzige Brücke zwischen hier (Marble Canyon) und dem Hoover Damm nahe Las Vegas die den Colorado River überspannt. Das mal am Rande, ihr sollt ja auch was lernen.

Vom Marble Canyon geht es zum heutigen Etappenziel, Page. Kurz vor Page, um genau zu sein, 2 Meilen vor Page, noch ein wichtiger Halt am Horseshoe Bend. Nach gut 800 Metern Wanderung durch eine Miniwüste, man fühlte sich wie „Lawrence von Arabien“, steht man unvermittelt an der Abbruchkannte zum Horseshoe Bend. Beeindruckend. 200m unter mir, auf einer Länge von ca. 2 km, bildet der Colorado River eine Art Hufeisen-Schlucht aus. Man hat ihn mit Sicherheit schonmal auf Bildern gesehen, jetzt hab ich auch so 40 oder so. Im übrigen… war der Horseshoe Bend ein Grund, warum ich unbedingt das 12-24mm Objektiv haben wollte. Ich wollte auch mal „so ein Bild machen“ und sagen können: „Da hab ich mal gestanden.“

Das bringt mich zu einer weiteren, philosophischen, Betrachtung der Reise. Am Horseshoe Bend stellte ich mir die Frage, warum muss ich mir das eigentlich anschauen? Hab ich doch schon 1000mal auf Bildern gesehen. Ja. Aber… es ist etwas anderes, wenn man es zusätzlich noch mit eigenen Augen gesehen hat. Es ist irgendwie „bleibender“. Ein Eindruck und ein Gefühl, was keiner mehr nehmen kann. Und als Empfehlung…. Grand Canyon, Route 66, Horseshoe Bend (und hoffentlich alles was noch kommen wird) ist wirklich eine Reise wert. Auch wurde ich im Vorfeld der Reise gefragt….“Mann, in drei Wochen soviel Kilometer, soviele Spots… lohnt sich das überhaupt? Da kannste doch nur immer mal eben schauen… ich weiß ja nicht.“ Ich kann nur sagen… es lohnt sich. Zum einen empfinde ich das fahren in USA sehr entspannend und angenehm, zum anderen kann man durch gute Zeitplanung und Routenplanung sehr viel, mit sehr vielen Eindrücken sehen. Es ist keine Hetzte angesagt und sollte auch so bleiben. Es ist genug Zeit eingeplant um zu relaxen und auch mal Urlaub zu machen. Alles im grünen Bereich und absolut gut wie geplant.

So sitze ich grade entspannt auf der Terrasse des Motelzimmers in Page und wunder mich mal wieder über das Einkaufsverhalten der Amis, da ich einen guten Blick auf den hiesigen Safeways habe.

Schade, das die Saison erst übernächste Woche losgeht, sonst könnte ich gleich schön „Monday Night Football“ schauen. Man kann nicht alles haben ….

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