Das rote Land der Navajo-Indianer…

Bei angenehmen 23 Grad beginnt der Tag. Nach einem (sehr) dürftigen Frühstück im Motel geht es zum Lower Antelope Canyon und über und durch das Monument Valley nach Mexican Hat. Beim Frühstück unterhalte ich mich zuerst mit dem Besitzer des Motels. Ein Türke, der in Deutschland Abitur gemacht hat. Die Welt ist so klein. Wie immer ist festzustellen, das ein Amerikaner Spaß daran hat, seine letzten Brocken Deutsch rauszukramen. Ich find das so gut. Es wird zwar „nur“ ein „Willkommen Sie“, aber das ist so genial. Es ergibt sich ein lustiges internationales Gespräch, halb deutsch, halb englisch geführt, in das sich dann noch ein Japaner einschaltet, nach dem Weg zum Horseshoe Bend fragt, und sich mit „Danke schön“ verabschiedet.

Kurz darauf lerne ich noch John und Jane aus Iowa kennen, die unser Gespräch verfolgt haben und mich kurzer Hand ansprechen, ob ich aus Deutschland komme. Ich erfahre, das John und Jane jahrelang deutsche Studenten bei sich wohnen hatten. Sie wären aber vor ein paar Jahren aus Iowa weggezogen, weil es da zu kalt wär. Jetzt verbringen sie ihr „Retirement“ in Arizona. Ist wärmer. Nach ein paar weiteren Floskeln, ob wir denn hier in D „kalte Winter“ und „warme Sommer“ hätten, geht es auf zum Anteleope Canyon. Haben wir also auch über’s Wetter gesprochen. Ich liebe diese ungezwungenen, durchaus oberflächlichen, aber immer sehr freundlichen Small Talks.

Auf dem Weg zum Antelope Canyon verpass‘ ich die Abfahrt und nach 2 mal nachfragen habe ich die Eintrittskarten und warte mit noch ein paar anderen auf den Start der Tour. Geführt werden wir von „Verspiegelte Gläser„, der in ein paar Monaten zum Häuptling der ansässigen Navajos gewählt werden soll. Ob er wirklich so heisst, weiß ich natürlich nicht, aber da er die ganze Zeit eine ultra-verspiegelte Sonnenbbrille getragen hat, bekommt er einfach diesen Namen. „Verspiegelte Gläser“ ist aber ein Netter und hat durchaus das Zeug zum Häuptling. Er zeigt uns immer wieder gute Positionen um die beeindruckenden Formen und Farben des Antelope Canyons zu fotografieren.

Als wir vorm Eingang dieser Höhle stehen, halten wir das für einen Scherz, denn dieser Eingang kann eigentlich nur durch einen Schlangenmenschen betreten werden, denke ich mir. Es ist ungelogen einfach nur ein Spalt in der Erde, und da sollen wir rein??? Ich hab ein Stativ und einen fetten Rucksack mit, wie soll das ganze da durch passen?? (Wohlgemerkt, der Rucksack ist fett. ) Oh Mann. Erstaunlicherweise passieren wir alle unbeschadet den Abstieg. Nur der Rucksack schabt ein wenig an den Wänden … nicht ich. Wir sind eine Gruppe von 6 Leuten plus „Verspiegelte Gläser„. Also bereitet das Fortbewegen und das Fotografieren keine Probleme. Das Naturschauspiel unter der Erde ist so wunderschön, atemberaubend und, und, und … mir fehlen die Worte. Im Laufe von mehreren Millionen Jahren hat das Wasser diesen unterirdischen Gang geformt. Die Wände sind glatt und haben überwiegend kurvige Formen. Leider ist es heute Morgen bedeckt, und die Sonne hat keine Chance sich durch die Wolkendecke zu kämpfen. Also ist das Warten auf den „göttlichen Strahl“ vergeblich. Aber auch ohne direkter Sonneneinstrahlung ist das Farbspiel unbeschreiblich. Nach einer Stunde und und ein paar 10 Bildern ist dieses Erlebnis auch schon vorbei, aber der Zauber bleibt. Nachhaltig.

Weiter geht es Richtung Monument Valley. Ich fahre durch das „rote Land“ der Navajo-Indianer. Weit und breit nur rote Erde. Sand ist wohl der bessere Begriff dafür, rostig kann man diesen Ton wohl auch nennen. Das Auto ist nicht wieder zu erkennen, man könnte denken, es sei überall mit Rost bedeckt. Ich denke, hier wird weltweit der Rohstoff für Backsteine abgetragen. Wo sonst soll auch das übrige Hochland hingekommen sein, aus dem jetzt nur noch die einzelnen Erhebungen (Butten) hervorragen? Auch das Wetter ist hier anders. Nach ein paar Tropfen vom Himmel, scheint wieder die Sonne. Das ganze Gebiet hier gehört den Indianern, also sind hier Touristen sofort zu erkennen, wenn sie das schon nicht ohnehin sind.

Monument Valley

Auch nach 4 Stunden weiß ich gar nicht was ich davon halten soll. Es ist ein Tal voll mit ragenden Felsen (natürlich in roter Farbe). Die Dimensionen dieser Felsen sind riesig, so wie einiges in diesem Land. Das Besichtigen dieses Tals kann und sollte mit dem Auto vorgenommen werden, nur … wie!

Es ist eine Strecke von 17 Meilen die durch diese Felsen führt, der Name „Dirty Road“, ist noch untertrieben. Einfach ätzend zu fahren. Schlaglöcher, so tief, das dort am Grund noch nie die Sonne war.  Aber sehr spannend. Und ich finde, so ein Ford (Powered by Microsoft!) macht einiges mit. Nach 16 der 17 Meilen hab ich denn dann auch festgestellt, das der ja auch Vierrad Antrieb hat. Lustig ist noch, das an vielen Stellen Geschwindigkeitsbeschränkungen stehen. Machen die Witze? Schrittgeschwindigkeit ist bei dieser Straße noch zu schnell, wenn man eine Panne wegen gebrochener Achse vermeiden möchte. Der rote Sand als Untergrund macht die Sache nicht besser. Will man aber das ganze Valley in seiner Pracht erfassen, muss man diese „Dirty Road“ einfach mitmachen. Vorbei geht es an den drei (bestimmt) wohlbekannten Butten, hinüber zum Elephantrock und den „Three Sisters“. Schön finde ich noch den oder die „Totem Pole“ wo ich ein interessantes Bild schiessen kann. Nichtsdestotzrotz ist man dann froh, wenn man, und vor allem der (Leih)-Wagen, wieder heile aus dem Tal raus ist. Im (Leih)-Wagenvertrag steht im übrigen explizit drin, das man keine „Gravel Road“ befahren darf. Aber mein Englisch ist so schlecht, muss ich wohl überlesen haben.

Beim Anblick des Wagens, überzogen mit feinsten, rotem Sandstaub, habe ich eine super Geschäftsidee: An der Ausfahrt vom Monument Valley sollte man einen Starbucks nebst angeschlossener Waschanlage betreiben. Das wär ne Geldquelle. Mal sehen … morgen rufe ich „Verspiegelte Gläser“ an, der soll das mal in die Runde tragen, wenn er Häuptling geworden ist.

Später im Motel vorm Spiegel sieht die Haut erstaunlich gebräunt aus, doch nach dem Duschen ist auch dieser feine rote Staub von der Haut weg. Morgen wäre eine andere Farbe schön, find ich.

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