Hörbare Stille

Heute stehen 3 Alternativen zur Auswahl, alle 3 führen nach Moab … eine süße amerikanische Kleinstadt am Rande des Arches NP.

Die erste würde in den Canyonlands NP führen, die zweite und die dritte beinhalten einen Besuch des Valley of the Gods und unterscheiden sich nur im Verlauf der Straßen. Valley of the Gods hat eine ähnliche Kulisse wie gestern das Monument Valley, und vor allem auch eine ähnlich schlechte Straße die durch das Tal führt. Da der Bandscheinbenvorfall von gestern noch nicht gänzlich verheilt ist, entscheide ich mich kurzerhand für die erste Route, was sich später als goldrichtig erweisen soll.

Beim verlassen von Mexican Hat fahre ich an den „berühmten“ Goosenecks vorbei. Dort macht der „beeindruckende“ San Juan River mehrere Biegungen an einer Stelle, die auch deshalb diesen Namen trägt. Dabei legt der San Juan River auf einer sichtbaren Strecke von 1,6 Meilen ca. 8 Meilen zurück. Sieht aus, wie ein großer Horseshoe Bend. Für mich wäre der Name „Snake“ richtiger gewesen, vielleicht kann das „Verspiegelte Gläser“ auch irgendwann einrichten, die Liste an ihn wird auf jeden Fall immer länger. (Hmmmm… was mache ich eigentlich, bei Anregungen für das Nicht-Navajo Gebiet haben?? Ich bin dafür, das „Verspiegelte Gläser“ als nächster Präsident kandidiert. „Yes, he can!“ )

Gleich neben den „Goosenecks“ ist der Felsen, der Mexican Hat seinen Namen gegeben hat. Ein kleiner Berg, der auf sich selbst wieder einen kleinen Berg trägt, den man mit sehr sehr viel Phantasie als einen Mexicaner Hut ansehen könnte. Nu ja… zumindest gibt dieser Felsen der Stadt (eigentlich sind es nur 3 Motels und eine Tankstelle) seinen Namen, Mexican Hat. Hmmmm… was passiert wohl, wenn dieser Felsen mal einstürzen sollte? Heisst die Stadt dann „Town formerly known as Mexican Hat, now without a mountain that looks like a mexican hat„? Ich werd das in den nächsten Jahren mal beobachten. Versprochen. Ach so ja… obligatorischer Fotostopp musste natürlich auch sein.

Am Valley of Gods fahre ich vorbei oder durch. So ganz genau weiß man das hier nicht. Bleib kurz stehen, mach ein paar Bilder, und denke mir die Götter zu den Felsen in der Ferne.

Und so geht es direkt Richtung Moab.

Unterwegs wechselt endlich die Farbe der Landschaft von Rot in Gelb und bleibt den ganzen Tag abwechslungsreich. Etwas grün in Form von Weiden ist auch darunter. Auch das Wetter wechselt unterwegs vom leichten Regen zu Sonnenschein. Die Temperaturen bleiben dafür konstant. Eigentlich wie gestern etwas knapp um die 30 Grad. Auch um 20 Uhr ist es noch mollig warm. Die Landschaft rechts und links besteht hauptsächlich aus weiten Tälern und gewaltigen Felswänden oder Felserhebungen, die mich schon seit Tagen hartnäckig begleiten.

Im Canyonlands NP angekommen fahre ich zum südlichsten Punkt des Parks, dem „Grand View Point“. Hier in den weiten Teilen dieses Gebietes, fliesst der Green River in den Colorado River. Leider sieht man weder den einen noch den anderen Fluss richtig. Im übrigen ist es interessant zu erfahren, das das Tal in das man schaut nicht nur natürlichen Ursprungs ist. In dem Tal mit dem klingenden Namen „The three Worlds“, wurde massiv nach Uran und Öl gebohrt und gegraben. Alte Ziehwege kann man von oben noch sehr gut erkennen. Natürlich oder leider haben die Pioniere damals nichts von beidem gefunden, aber der Natur schon einige „Löcher“ hinterlassen, die nach und nach durch Wind und Wetter vertieft und weiter verweht worden sind. So haben diese Grabungen mit dazu beigetragen, dem „Island in the Sky District“ sein spezifisches Aussehen zu geben.

Vom Parkplatz aus geht’s auf eine Wanderung zu einem freistehenden Felsen mit dem Namen „Island in the Sky“. Und genau so fühlt es sich dort oben an, himmlisch! Der Weg an sich ist super zu laufen, wenn es die Hitze nicht geben würde und man genug Wasser dabei hätte. (Dussel). Außerdem befinde ich mich auf 2000 Metern und dort ist die Luft spürbar dünner. Unglaublich was auf diesem Felsen oben alles noch wächst und lebt (oder früher mal gelebt hat). So zum Beispiel dieses Bäumchen.  Auf dem Bauch robbend … am Rand des Abgrunds … mit einem Bein über dem Abgrund … unter sich 200 Meter Nichts …

No Risk, no Bild :)

Aber es lohnt sich. Dort oben ist sogar die Stille hörbar. Wenn man mal inne hält, hört man nichts, wirklich nichts. Nur der Wind flüstert in den Büschen und Bäumen. Hörbare Stille. Toll.

Halb verdurstet wieder am Auto, wird der Körper wieder mit Flüssigkeit aufgefüllt, und dann weiter zur Mesa Arch – als Vorgeschmack für die Archen die ich morgen alle sehen möchte. Die Mesa Arch … schöner Durchblick durch eine Öffnung in der Felsenwand, die mittlerweile die Form einer Arche angenommen hat. Auch wenn die schönsten Bilder beim Sonnenaufgang hier geschossen werden (sollen), sind meine ganz ok geworden. Und wie sollte es in Amerika auch anders sein … mein Equipment (Stativ, alles mit Kabelauslöser etc.)  erregt aufsehen, und so lerne ich Herb, einen Rentner aus Denver, kennen. Und natürlich kennt auch er Deutschland. Von Paderborn oder Bielefeld hat er zwar noch nichts gehört, aber er war während der Fussball WM 2006 in Wiesbaden und anschliessend in Oberammergau. Super. :) Nach ein paar höflichen Floskeln und der Fragen, wie es ihn dort gefallen hat, fängt leider seine Frau an zu rufen, das er doch kommen möge. So verlässt er mich mit dem Hinweis, unbedingt mal Colorado und Denver zu besuchen. Yep. Mach‘ ich. Nächstes Mal. Bestimmt.

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