Bärensuche

Heute steht der letzte National Park der Reise auf dem Plan. Es geht von Bishop über die Geisterstadt Bodie und den Yosemite NP Richtung Bay Area und San Francisco.

Der Weg nach Bodie führt mich eine zeitlang am Mono Lake – mit 150 km2 der größte Kratersee der Welt – vorbei. Es ist ein See, welcher unter anderem auch für die Wasserversorgung bis nach LA(!) zuständig ist. Wenn das Wasser unter der Dusche genauso einen unerträglichen Gestank verbreitet wie hier, dann will ich erst gar nicht nach LA. Schlimm. Aber … in diesem stinkenden Tümpel herrscht reger Verkehr, unzählige Schwärme von kleinen Fliegen, Myriaden kleiner Summer sitzen oder wie auch immer man das nennen mag, auf dem Wasser, und stören sich überhaupt nicht an mir oder den Möwen, die ebenfalls in dieser Kloake rumwandern. Die Verschlammung und der daraus entstehende Gestank rühren daher, das durch die massive Wasserentnahme für den Großraum LA und San Francisco das natürliche Gleichgewicht des Sees schon seit Jahren gestört ist. In den letzten Jahren ist der Wasserstand des Mono Lake um 15 m (!) zurückgegangen. Ich stehe einige Meter „im“ See, als ich mir das Ufer des Sees anschaue.

Die landschaftliche Kulisse ist dagegen eine richtige Augenweide, die Bergkette des Yosemite NP deren Spitzen mit Schnee bedeckt sind. Neuschnee kann ausgeschlossen werden, also müssen es kleinere Gletscher sein. Toller Anblick. Auch die Vegetation ist eine ganz andere wie gestern. Wälder wechseln sich mit grünen Weiden rechts und links ab.

Nach Bodie geht es erst über eine asphaltierte Strasse, die 3 Meilen vor der Stadt in eine Schotterpiste übergeht. Die Fahrt erinnert ab und zu an die Fahrt durch das Monument Valley. Die Einfahrt in die Geisterstadt überwacht ein junggebliebener Greis Namens John, der mindestens genauso alt ist, wie die Stadt selbst, die dieses Jahr ihr 150tes Jubiläum feiert. Bodie – ist eine Geisterstadt (wird sogar in der Liste der Top-10- Geisterstädte aufgeführt), nicht weil sich dort irgendwelche Geister rumtreiben, sondern weil es eine Stadt ist, die heute noch genauso steht, wie Zeit, Feuerkatastrophen und Naturgewalten sie zurückgelassen haben. Eine echte kalifornische Goldgräber-Geisterstadt.

Hier hatte der Goldgräber Watermann S. Body im Jahre 1859 Gold entdeckt, und so gewann die Stadt in nur innerhalb von wenigen Jahren an Bedeutung. Um 1879 hatte Bodie ungefähr 10 000 Einwohner, und erreichte im Jahr 1881 ihre absolute Blütezeit. Heute sind noch ungefähr 5 Prozent der Gebäude vorhanden. Die Stadt war für ihr hartes Klima und als Sündenpflaster und Lasterstadt sehr bekannt. Mord und Totschlag waren an der Tagesordung. Raubüberfälle, Raufereien und Brandstiftungen trugen zur Abwechslung bei. 1881 nannte der Pfarrer die Stadt „ein Meer der Sünde, von den Stürmen der Wollust und Leidenschaften gepeitscht“. Nette Umschreibung.

Auch wenn von der Stadt nicht mehr viel übergeblieben ist, sind noch viele Holzhäuser im Originalzustand und Einrichtungen im „starren Verfall“ zu besichtigen. Einige Hotels, Mühlen, eine Wäscherei, eine Schule, eine Methodistenkirche mit einer winzigen Orgel und ein Gefängnis kann man sich noch sehr gut im Geiste rekonstruieren. Und die Bilder im Album geben vielleicht einen Einblick davon, wie es in den Häusern aussieht. DRI-Versionen sollen noch folgen. Anhand von Bildern werden auch die Personen wieder lebendig. Die Goldminen und der Friedhof sind noch in einem sehr guten Zustand erhalten.

Nach gut 2 Stunden verabschiede ich mich aus Bodie und es geht weiter in den Yosemite National Park auf einer Höhe von 3300 Metern. Jacke und Jeans, die ich vorsichtshalber aus dem Koffer genommen habe, kommen heute gar nicht zum Einsatz, im Gegenteil das Wetter ist herrlich, es ist etwas über 20 Grad und sonnig, also perfektes Wohlfühlwetter.

Der Park ist ein Landschaftspark und ein Paradies für diejenigen die gerne durch die Wälder stampfen, oder Berge besteigen. Von vornherein war „nur“ die Fahrt über den Tioga Pass geplant. Irgendwo muss man leider Abstriche bei so eine Tour machen, und man muss sich ja auch Möglichkeiten und Argumente offen halten, um noch mal herzukommen. Der Weg über den Tioga Pass ist schön zu fahren und gibt den Blick frei auf diese einzigartige Park- und Berglandschaft. Hatte ich wieder mal gehofft, einen Bären zu erspähen, wird das ebenso wieder mal enttäuscht. Ausser Streifenhörnchen und Kletterer an einem Berg sehe ich nicht viel mehr, außer … Landschaft. Alleine für diesen Park müsste man 2-4 Tage einplanen, um z.B. die Wasserfälle zu erwandern, oder den Half Dome, der sich links von mir erhebt, zu erklettern.

Der Weg aus dem Park ist sehr ätzend. Eine Serpentinenstraße die auf kürzestem Wege 3000 Meter nach unten führt, teilweise mit steilen Klippen rechts und links. „Zum Kotzen“ im wahrsten Sinne des Wortes. Ich kann mich aber gut beherrschen, und so leiden nur die Bremsen des Fords.

Den Weg nach San Francisco wollte ich mir heute nicht mehr antun, und so halte ich unterwegs Ausschau nach einer passenden Ortschaft, was gar nicht so einfach ist hier in dieser Gegend. Die Dörfer, durch die ich komme, sind teilweise Orte mit weniger als 500 Einwohnern (diese Angaben stehen immer dabei auf den Ortschaftsschildern) und die meisten haben keine oder nur wenig Infrastruktur. Das sind reine Inzest-Dörfer, mitten im Nichts, weitab von jeglicher Zivilisation, dass es hier Strom gibt, ist ein reines Wunder. So muss ich doch noch eine längere Strecke bewältigen, und bin heute Nacht nur noch eine Stunde Autofahrt vor San Francisco. Aber so kann ich wenigstens noch die zweite Halbzeit des Football-Auftaktes im Fernsehen verfolgen.

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