Buntes Treiben

Heute kann ich die Anbindung mit öffentlichen Verkehrsmitteln von Oakland aus ausprobieren. Und die ist gar nicht mal so schlecht. In 20 min. ist man mit Bus und S-Bahn mitten in der Stadt. Ziemlich genial. In der Stadt selbst kann man sich auf viele Arten bewegen: Cable-Cars, U-Bahn, Busse oder schon fast ausgestorbene Obusse. Hier bezahlt man entweder jede Fahrt einzeln, oder man kauft sich einen Tages-Pass, welcher dann für alle Fahrten innerhalb der Stadt gilt. Perfekt.

Auch die Orientierung in San Francisco ist relativ einfach. Die Straßen in San Francisco sind in 90 Grad und parallel zueinander angelegt, so dass man den richtigen Weg ohne Probleme findet.

Erst mal Cable-Car fahren. Das geht nur hier. Dazu stelle ich mich in der ellenlangen Schlange an, hier muss man Geduld mitbringen. Nach ca. einer halben Stunde darf man dann einsteigen, und ich suche mir einen Platz außerhalb der Kabine, also stehend im hinteren offenen Bereich. Den Job dieser Jungs, die „am Steuer“ sind, möchte ich lieber nicht haben, das ist schwere körperliche Arbeit. An der Endstation angekommen werden die Wagons mit Hilfe einer drehbaren Plattform und mind. 3 Personen in die richtige Position gebracht, um den Rückweg anzutreten. Auch die Fahrt über die Hügel erfordert erhebliche Muskelkraft, die Bremse wird von Hand gezogen, und das sieht doch schon anstrengend aus, aber da ich nichts von dem machen muss, genieße ich die Fahrt. Es geht hoch und runter, in ziemlich konstanter Geschwindigkeit (nicht wirklich schnell), aber ein Erlebnis und auf jeden Fall wert.

Es geht Richtung Küste. Nach dem es heute Nacht in Oakland gewittert hat, und dann den ganzen Morgen geregnet hat, ist es hier in der Stadt bereits trocken, die Luft ist zwar vom Nebel und dem nächtlichen Regen noch feucht, aber ich werde nicht nass. An der Küste klärt es sich auf, die Sonne zeigt sich ab und an, auch wenn die Golden Gate Bridge immer noch im Nebel versteckt ist. Nur der untere Tal ist kurz über dem Wasser zu sehen, der Rest ist vom Nebel verschluckt.

An den Piers herrscht reges Treiben, es riecht überall nach Essen bzw. nach Fischessen. Überall ertönt Musik jeglicher Couleur. Ein Typ mit einer Bulldogge läuft an mir vorbei. Der Hund hat eine Sonnenbrille auf. Eine Kinderbrille mit weißem dicken Plastikgestell. Aber der Hund scheint sich damit abgefunden zu haben. Er ist heute nicht der einzige, der einen ziemlich seltsamen Eindruck hinterlässt, die Stadt ist voll „bunter“ Menschen. Ich wunder mich des Öfteren, und muss davon auch einige Bilder schiessen. Am berühmten Pier 39 ist am meisten los. Hier treiben sich auch die Seelöwen rum, bzw. lassen sich treiben. Die faulen Tiere haben nichts besseres zu tun, als sich in der Sonne zu räkeln und den lieben Gott einen netten Mann sein lassen. Liegen den ganzen Tag auf Holzplattformen und müffeln vor sich hin. Was ein Gestank. Mind. genauso schlimm wie am Mono Lake. Gibt’s da etwa eine Verbindung? Ich schätze, das da min. 100 Tiere liegen und sich sonnen, müffeln und einen Heidenlärm machen. Eigentlich sollte man hier unbedingt Fisch essen, aber der Anblick von Riesenkrabben die lebendig gekocht werden und dazu der Gestank der Seelöwen verdirbt mir jeglichen Appetit.

Über China-Town und little Italy geht es dann mit dem Bus zum Financial District. In China-Town gibt es unzählige Gemüse- und Krimskramsläden, und dazu unzählige Chinesen. SF hat die größte Population an Chinesen ausserhalb Chinas. Hier sieht man Gemüsesorten, die man niemals für Gemüse halten würde. Und so lernen ich ein neues Gemüse kennen: Bittermelone. hmmm … wie die wohl schmeckt? Die Läden platzen bald auseinander, so voll sind die mit typisch kitschiger Ware. Alles aufzuzählen würde hier den Speicherplatz sprengen. Aber immer mal wieder toll, durch chinesische Straßen zu laufen, egal in welcher Stadt. Inzwischen hat sich der Magen auch wieder beruhigt und ich esse hier.

Nur einen Straßenblock weiter ist gleich der Financial District, absolut das Gegenteil zu China-Town. Wolkenkratzer, deren obere Stockwerke vom Nebel verdeckt sind. Das sieht schon fast gespenstisch aus, die Leute dort oben sehen praktisch nichts aus den Fenstern und gucken vor eine milchige Wand.

Im übrigen wurde in SF die Jeans erfunden. Der Ursprung waren Hosen aus Baumwolle, die aus der Gegend um die italienische Stadt Genua in die USA kamen. Aus der französischen Form des Städtenamens „Gênes“ machte die amerikanische Umgangssprache den Begriff „Jeans“. Levi Strauss, der in Franken geboren wurde und als Auswanderer um 1850 nach San Francisco ging, fertigte für Goldgräber robuste Arbeitsbekleidung, die „Gênes“ aus dem Stoff „Serge de Nîmes“ (Gewebe aus der Stadt Nîmes), kurz Denim Jeans. 1873 meldete Levi Strauss gemeinsam mit Jacob Davis die Goldgräberhosen mit Metallnieten zum Patent an.

Interessant, oder?

Morgen gibt es sicher noch weitere Erlebnisse, heute steht noch das obligatorische „Postkarten schreiben“ auf dem Plan.

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