Das „europäische“ San Francisco

Für heute habe ich mir die restlichen Dinge vorgenommen, die ich unbedingt hier in der Stadt sehen wollte.

Als erstes das Civic-Center, das kommunale Zentrum der Stadt. Eine Darstellung der „französischen Renaissance“. Die eindrucksvolle und unübersehbare Kuppel des City Halls, wurde nach der Basilika von St. Peter im Rom gebaut. Hier befinden sich ebenfalls das Opera House, Veterans Building, die Symphony Hall und die Stadtbibliothek. Der Platz ist riesig, aber irgendwie außergewöhnlich leer, außer einer Gruppe Studenten die alle mit Blöcken und Handys in den Händen, auf dem Platz verteilt sind und ein paar Obdachlosen, die auf der Rasenfläche mit ihrem ganzen Hab und Gut ein Schläfchen halten, sind hier kaum Touristen. Hmm… Seltsam.

Nach einem Kaffee bei Starbucks geht es mit einem Obus weiter zum Alamo Square, der Platz mit den berühmten „Painted Ladies“, ein beliebtes Postkartenmotiv. Der Park ist von wunderschönen alten viktorianischen Häusern umgeben und bietet einen Blick auf die Stadt von oben.  Die „sieben Schwestern“ sind sieben farbenprächtige viktorianische Häuser, die am Ende des 18. Jahrhunderts gebaut wurden, und mittlerwile unter Denkmalschutz stehen. Hier muss man Geduld beweisen, denn  der Touristenanlauf ist nicht ohne und es läuft immer mal wieder jemand vor die Linse. Aber irgendwann hab ich genug Bildmaterial und fahre weiter zum Golden Gate Park.

Der Golden Gate Park ist die „Grüne Lunge“ der Stadt, eine Oase für alle. Das Pendant zum Central Park in New York. Als erstes liegt das Conservatory of Flowers auf dem Weg. Ein Meer aus Blumen erwartet mich. Dalien sind besonders farbenprächtig und riesig. Jede Menge unterschiedlichster Palmen und Kakteen sind zu bewundern, hier blühen noch diverse Bäume. Der Hauptplatz ist heute brechend voll. Hier picknickt halb San Francisco. Es ist Sonntag und auf der aufgebauten Bühne wird gleich klassische Musik gespielt. „Summer in the Park“. Eine sehr beliebte, kulturelle Veranstaltungsreihe im Golden Gate Park.

Es geht weiter durch den botanischen Garden, am Japan Tea Garden vorbei zur Academy of Science. Dieses bemerkenswerte Gebäude umfasst ein Aquarium, ein Planetarium, einen Regenwald und ein „lebendiges“ grünes Dach mit Gras und unzähligen Pflanzen. Von hier nehme ich den Bus zur Japan Town. Erst in die falsche Richtung, aber kurz vor der zweiten Haltestelle fällt mir das auf, und im „fliegenden Wechsel“ sitze ich dann im richtigen Bus.

Japan Town ist ein japanisches Viertel, nicht ganz so bunt und voll wie das chinesische  Viertel gestern. Dennoch tummeln sich im Zentrum jede Menge gackernde Hühner, noch mehr als an der Delicate Arch. Hier laufen sie nur ohne Kameras rum, sehr ungewöhnlich.

Von hier aus geht es zum Nob Hill, dem Hügel der „Steinreichen“. Im letzten Jahrhundert errichteten hier die Millionäre ihre eindrucksvollen Villen. Sie hatten mit der Silber- und Goldgewinnung aus den Minen in Nevada riesige Reichtümer angehäuft. Hier findet man man auch einige der berühmtesten Hotels der Stadt. Im „Fairmont“, bekannt aus den Filmen „Petulia“ und „The Rock“, ist alles aus Marmor, edle Möbelstücke stehen herum und tolle Vasen dekorieren die Eingangshalle. Hier hätte ich mich wohl auch wohl gefühlt. Der Ausblick auf den Pazifik und die Bay Bridge von diesem Hügel bietet eine tolle Kulisse. Auch hier ist einige europäischen Sehenswürdigkeiten nachgebaut: Die beiden Türme wurden nach dem Modell des Notre Dame gebaut, die Portale aus Bronze sind Kopien der Portale des Doms von Florenz.

Warum eigentlich? Haben sie keine eigenen Ideen?

Hier ist der Grund:

Paris im Herzen San Franciscos: das waren die Vorstellungen, die gegen Ende des 19. Jahrhunderts in der Stadtverwaltung und in Planungsbüros von Architekten im Zuge des City Beautiful Movement, bzw. der „Bewegung zur Stadtverschönerung“ kursierten. Mit einem Rückgriff auf die monumentale Formensprache des Neoklassizismus, wie er vor allem in der Ecole des Beaux-Arts in Paris gelehrt wurde, wollte die Stadt ihrer Stellung als wichtigste Metropole der Westküste Ausdruck verleihen und Los Angeles in den Schatten stellen. Auch wenn letztlich aus der Market Street nicht die Champs d’Elysées geworden ist, ist an vielen Orten in San Francisco die europäische Architektur zu sehen. Ahhh, ja.

Nach dem Essen fahre ich noch ein letztes Mal Cable Car. Diesmal halb heraushängend, sehr aufregend. Man steht auf der Stufe (auch mal nur auf dem einen Bein und das andere Bein zur Seite in der Luft), sich am Pfosten haltend und genießt die Luft. Cool.

Mein San Francisco Fazit:

San Francisco ist sicherlich sehenswert und einen Besuch Wert. Die einmaligen Cable Cars muss man ausprobiert haben. Die sieben Hügel, auf welchen die Stadt gebaut ist, verwundern einen immer wieder. Wie man dazu kommt, so die Straßen zu bauen, ohne vorher zu begradigen? Auch die Nähe zum Pazifik macht die Stadt wirklich besonders mit ihrem mysteriösen Nebel. 2 bis 3 Tage sind aber allemal ausreichend, hier wäre noch ein Museumsbesuch locker drin. Die meisten Sehenswürdigkeiten sind in dem nördlichen Teil der Stadt zu finden, die durch die Market Street in Norden und Süden geteilt ist. Etwas erschreckend fand ich die Zahl der Obdachlosen. Wie kommt das? Liegt es am milden Klima in der Stadt, so dass man auch im Winter auf der Strasse überleben kann? Dadurch bedingt sind viele Stadtgebiete sehr gefährlich, hier wird nicht nach dem Namen gefragt bevor man ausgeraubt wird oder schlimmeres passiert. Zumal man als Tourist sehr schnell in diese Gefahr kommen kann, weil diese Stadtbezirke teilweise nur einen Block von den bekannten Sehenswürdigkeiten entfernt sind. Hier sollte man sich nach dem Einbruch der Dunkelheit besser nicht blicken lassen. Und immer dran denken, das Hotel am besten schon von Deutschland aus zu reservieren.

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