Highway #1

Heute Morgen geht die Fahrt endlich NEBELFREI weiter. Bei 23 / 25 Grad und strahlender Sonne … Super.

Wie gestern bereits angekündigt, geht es über den 17-Mile-Scenic-Drive, wenn auch nicht komplett. Der 17-Mile-Scenic-Drive ist wohl in erster Linie für die nobelsten Golfplätze der Welt bekannt. Am 17-Mile-Drive liegen einige der berühmtesten (und angeblich schwersten) Golfplätze der Welt. So klingende Namen wie „Spyglass Hills“ , „Pebble Beach“ oder „Poppy Hills“ gehören dazu.

Ich fahre unter anderem direkt am Fairway des 8ten Lochs von „Spyglass Hills“ vorbei. Das Grün ist nur durch einen kleinen Weg von der Strasse getrennt. Das Grün der Grüns und Fairways scheint hier noch grüner und intensiver zu sein. Was haben sich hier zu den einzelnen Turnieren, wie das „AT&T ProAm“ oder den US-Open schon Dramen abgespielt. Die Plätze zeigen sich in einem tadellosen Zustand. Die Bunkerlandschaften sind so groß wie eine Wüste. Da möchte man wirklich nicht drin liegen. Durch die Küstennähe sind diese Plätze alle als Links-Kurse ausgelegt, wobei doch einige Bäume zu sehen sind. Allerdings ist die Schlägerwahl wohl wirklich von Bedeutung, wenn man sich den starken Wind hier vorstellt, der ungeschützt in die Spielbahnen bläst.

Zur Ausfahrt hin komme ich an einem DER Golfplätze vorbei: Pebble Beach. Leider sehe ich nur ein kleines Stück, aber das hat schon was. Hier werden 2010 die US Open ausgetragen, und ich kann nun behaupten, ich habe schon 4 US-Open Golfplätze … gesehen. Man könnte Pebble Beach auch spielen, da es sich um einen öffentlichen Golfplatz handelt. Wie im übrigen alle US-Open Golfplätze. Da gestern aber schon drei Paar Schuhe, ein lila Pullover, eine Lederjacke, drei TShirts in, rsp. aus der Urlaubskasse geflossen sind, sind 465$ für eine Runde doch etwas übertrieben, auch wenn man bestimmt auf jeden Schritt und Tritt das Karma von Tiger Woods, Arnold Palmer und Jack Nicklaus spüren würde. Also bleibt der Traum, einmal Pebble Beach zu spielen. Aber… ich ware zumindest mal da.

Der 17-Mile-Scenic-Drive führt wie schon gesagt an den berühmtesten Golfplätzen vorbei, aber eben auch direkt an der Pazifik-Küste. Der Bird Rock ist ein Tummelplatz für Seelöwen, Möwen und Pelikane, eine Symbiose mit der Natur. Alle teilen sich diesen Felsen, der ziemlich einsam vor der Küste aus dem Wasser herausragt. Die Tiere sind gut mit einem Fernglas zu sehen. Aber den Gestank von den Seelöwen nehme ich auch hier wahr, oder ist das eine Einbildung? Auf jeden Fall hört man sie deutlich, sie rufen mich.

Die einsame Zypresse (Lonely Cypress), auf einem Felsvorsprung, steht hier bereits seit 250 Jahren, belegt durch Bilder und historische Aufzeichnungen. Diese Bäume lieben trockene und steinige Böden und sind außergewöhnlich anpassungsfähig. Sie sind von legendärer Widerstandsfähigkeit und werden bevorzugt im Schiffsbau eingesetzt. Zypressen sieht man hier an jeder Ecke in allen möglichen Formen.

Die Milliardärsvillen schmücken rechts und links die Strasse, direkt am Wasser oder etwas abseits auf dem Hügel mit tollem Ausblick auf den Ozean. Aber auch hier scheint die Finanzkrise Einzug gehalten zu haben, einige stehen zum Verkauf.

Kurz vor Carmel-by-the-Sea endet der 17-Mile-Scenic-Drive. Carmel ist ein hübsches und eins der teuersten Örtchen hier an der Westküste, gilt als eine Künstlerkolonie und besaß mit dem Filmschauspieler Clint Eastwood für einige Jahre einen äußerst publicitywirksamen Bürgermeister. Das meiste spielt sich hier auf der Ocean Ave ab, aber ich fahr da nur durch.

Danach weiter auf dem Highway #1. Hier befindet man sich auf dem schönsten und dem einsamsten Abschnitt des Highway #1. Bis San Simeon gibt es keine echten Ortschaften mehr. Nur noch Straße und Ozean. Die Strasse schlängelt sich an der Küste entlang und bietet großartige Ausblicke auf Buchten und Steilküsten. Ich halte gefühlt alle 200 Meter an, um einen neuen Eindruck einzufangen. In Big Sur wollte ich mir eigentlich eine Sandbucht mit einem Wasserfall anschauen. Gerate aber fälschlicherweise auf einen Campingplatz, weil die Beschreibung im Reiseführer etwas irritierend ist. Eigentlich könnte ich hier jetzt campen, weil ich die Gebühr bereits bezahlt habe. Egal, es gibt schlimmeres. Die Sandbucht finde ich leider auch nicht mehr. Passend dazu läuft grade „Mike erklärt Amerika“ von Dietmar Wischmeyer auf dem iPod. Sauber.

Weiter der Strasse folgend, hat man die Möglichkeit das Hearst Castle zu besuchen und zu besichtigen. Ein Schloss hoch auf einem Berg, welches ein Verschnitt aus architektonischer Phantasie und Nachbau europäischer Vorbilder (war doch klar) ist. 1919 hatte man auch genügend Vorbilder. Eine absolute Empfehlung … von allen Amerikanern. Sie sind schon etwas verrückt nach Schlössern. Kein Wunder, denn in den USA sind Schlösser eher eine Seltenheit. Höchstens im Disneyland oder als Nachbauten als Touristenattraktion zu bestaunen. Vermutlich deshalb, weil die USA aufgrund ihrer späten Besiedelung die „Burg- und Ritterzeiten“ Entwicklung erst gar nicht mitgemacht haben. Da es  genügend Schlösser bei uns in der Heimat gibt, schenk ich mir den Besuch, der Blick aus der Ferne soll wohl vollkommen ausreichen. Außerdem kommt man dort eh nur mit einem Shuttle-Bus hin. Nöööö … Das fehlte noch, keine Lust.

Lieber schaue ich mir noch ein paar Seeelfanten an. Die sind so anders als die Seelöwen. Sind zwar auch nur gelangweilte Sandsäcke, aber sie stinken nicht und sind nicht so laut. Zwei kämpfende Männchen im Wasser (oder ist es eher ein Pärchen? kann mir das bei diesem Schauspiel schlecht vorstellen, aber in der Tierwelt wird die Zuneigung vielleicht anders zum Ausdruck gebracht) geben während des „Kampfes“ alles und sehr tiefe Töne von sich. Die am Strand schlafenden Tiere sind ruhig. Man köntte meinen, sie sind tot, wenn sich nicht der ein oder andere mal eben mit Sand zuschütten würde.

Entlang des Highway #1 sieht man viele Surfer an den Stränden und draussen auf dem Wasser. Wartend auf „die eine“ Welle. Nett. Und immer mal nach hinten schauend, ob da nicht grad ein „großer Weißer“ Hunger hat.

Gegen 18 Uhr komm ich in Buellton an, und will unbedingt noch zu einem Strand, um den Sonnenuntergang zu erleben. Nur … Buellton hat gar keinen Starnd. Also… suchen. Und die Suche danach wird zu einem echten Abenteuer. Das Navi ist nach dem ersten Irrweg völlig ratlos, also verlasse ich mich eher auf meine nicht vorhandene Intuition und eine sehr ungenaue Karte. Aber da ich hier an der Küste bin, muss es hier ja theoretisch genügend Strände geben. Weit gefehlt. Ich fahre in Richtung „nächster Ortschaft da wo die Küste sein sollte“, und weiß gar nicht wie groß diese Ortschaft ist, und ob es dort einen zugänglichen Strand gibt.

Auf mehr als die Hälfte der Strecke steht plötzlich ein Wegweiser Richtung „Jalama Beach“. Beach? Ha … Strand. Gut das ich in Englisch aufgepasst habe. Es sind 14 Meilen bis dahin. Also … scharf links … ab zum Jalama Beach. Die Strecke dahin könnte auch eine Strecke zu nem Geisterschloss oder so sein. Ich bin mitten in der Wildnis auf einer asphaltieren Straße, weit und breit keine Zivilisation. Urplötzlich schiessen mir Bilder von „Wrong Turn“ oder dem „Texas Chainsaw Massakker“ in den Kopf. Hier find dich keiner, wenn Joe dich zerstückelt. Unverhofft zucke ich richtig zusammen, als eine Spinne, in der Größe einer Menschenhand vor mir auf der Straße auftaucht. Wirklich. Riesengroß.  Sie kreuzt gerade gemütlich den Weg.

Schnell fahren ist hier auch nicht, hier sind mind. 89 Kurven, die durch eine hügelige Landschaft führen, eigentlich sind es schon Berge. Immerhin kann man schon in der Ferne das Meer sehen, aber ich bin noch nicht da. Nach genau 14 Meilen kommt endlich „Jalama Beach“ in Sicht. Es ist ein Campingplatz, aber ich erhalte freie Einfahrt und eine die Erlaubnis für 90 min. zu bleiben, als ich sage, dass ich nur den Sonnenuntergang fotografieren möchte. Das ja mal sehr nett.

Schnell Stativ und Kamera aus dem Auto geholt und aufgebaut. Die letzten Minuten des Sonnenuntergangs kann ich dann noch genießen, bzw. durch die Kamera betrachten, und dann ist der Spuk auch schon vorbei. Der Strand ist hier super schön, kaum einer da, man hört nur das Raunen der Wellen. Ich bleibe noch ca. eine Stunde am Strand und höre den Wellen zu. Sehr entspannend. Als die mir dann nichts neues mehr erzählen können oder wollen, mach ich mich auf den Rückweg. Der Rückweg ist nicht mehr ganz so ungewiss und gefühlsmäßig deutlich kürzer. Diesmal ist es der Fuchs, der über die Straße huscht, und eine Eule die auf dem Straßenpfosten sitzt und sich überhaupt nicht stören lässt.

Ein wirklich abenteuerlicher, aber auch sehr lohnenswerter Ausflug. Den Campingplatz am Jamala Beach kann man ruhigen Gewissens weiterempfehlen.

Im übrigen hab ich heute die 3000 Meilen Marke überschritten.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.