Stadt der Engel?

Heute will ich also Los Angeles unsicher machen. Nur irgendwie ist es eher umgekehrt.

Hollywood und Umgebung mit einigen der Sehenswürdigkeiten wartet. Als erstes liegt der Rodeo Drive auf dem Weg, also schau ich mir mal eins der teuersten Pflaster der Welt an.

Der Rodeo Drive ist der Kern der Shopping Zone in Beverly Hills und gehört zu den 3 teuersten Shopping Meilen der Welt (neben der 5th Avenue in New York und Causeway Bay in Hongkong). Ist also kaum erstaunlich, das man Touristen auf dieser Straße sieht, die Läden sind aber überwiegend leer. Kauft hier überhaupt jemand ein? Ich auf jeden Fall nicht. Es ist zwar sehr sauber hier und aufgeräumt, aber es ist keine Fußgängerzone, die kennen soetwas hier in USA nicht, eine „Krankheit“ aller Großstädte finde ich. Vorbei an den Schaufenstern, wunder ich mich darüber, wofür diese Klamotten außer den Laufsteg designed worden sind. Die sind nie und nimmer „alltagstauglich“, na ja egal, viell. trägt man sie zu Hause vorm Spiegel? Wer weiß. Der Preis für das Ticket im Parkhaus beträgt 7 Dollar für 45 Minuten. Nicht schlecht.

Weiter durch Beverly Hills, auf der Suche nach einer Möglichkeit den „Hollywood“ Schriftzug zu fotografieren. Auch wenn das schon lange nicht mehr der Ort ist, wo die Geschichte der Filmindustrie geschrieben wird, ist es nach wie vor ein Markenzeichen Hollywoods mit seinen 15 m hohen Buchstaben und steht hoch oben über dem Beachwood Drive. Leider kommt man dort nicht nah genug hin, und die beste Sicht ist mehr als bescheiden. Die Hochhäuser und riesige Palmen, die hier die Straßen säumen, verdecken oft die Sicht und machen ein Foto fast unmöglich. Eine der gefährlichsten Straßen wahrscheinlich, bietet noch die freiste Sicht auf alle weißen Buchstaben. Hier in der Stadt herrscht große Kriminalität, so ist es auch kein Wunder, dass hier oft Schilder wie „Armed Response“ was soviel heißt, „es wird zurückgeschossen“, zu sehen sind. (Ich fürchte ja, die schiessen erst, und fragen dann … Wilder Westen halt.) Auch bei mir im Hotel wird im Ernstfall von Waffen Gebrauch gemacht und steht so ein „Armed Response“-Schild. Gruselig.

Na ja, nachdem ich das Foto dann irgendwann habe, verirre ich mich total auf der Suche nach dem „Walk of Fame.“ Dafür bekomme ich einen Eindruck von einer „angeblich“ der teuersten Gegend in LA, wo die Schönen und die Reichen ihre Anwesen haben. Wenn das so ist, dann bin ich echt froh keiner von denen zu sein. So schön ist das jetzt nicht hier, um ehrlich zu sein. Oder fahr ich die falschen Straßen? Es ist dreckig, gar kein Vergleich zu vielen anderen Städten, die ich hier bereits gesehen haben. Hier in der Stadt ist es mind. 10 Grad wärmer als unten am Strand, um nicht zu sagen kurz vorm Erstickungstod. Der Verkehr sorgt für höllischen Lärm und dreckige Luft. Hier zieht man doch nicht freiwillig hin. Oh Mann.

Irgendwann ist auch der „Walk of Fame“ gefunden, diesmal sind die Parkgebühren wesentlich erträglicher. Eine Stunde sollte wohl reichen, da mir ja eh heute kein Stern verliehen wird. In die Gehsteige des Hollywood Boulevards wurden auf einer guten Meile Länge beidseitig des chinesischen Theaters 2500 überdimensionale Messingsterne eingelassen und den Größen des Showgeschäftes gewidmet. 2000 Namen sind bislang dort zu finden, einige sind noch unbeschrieben. Und so kann man über Sterne mit Namen wie Michael Jackson, Queen oder Audrey Hepburn laufen. Die Gegend wirkt sehr heruntergekommen um nicht zu sagen schon sehr gefährlich. Irgendwie ist das ein ganz anderes Los Angeles, als man es sich vorgestellt hat.

Ich frage mich, ob man sich zumindest die Stelle aussuchen kann, wo der Name eingraviert wird, denn genau vor eine stinkende Abrissbude gesetzt zu werden, ist sicher nicht der Traum vieler dieser Stars. Kann man eigentlich diese „Ehre“ auch verweigern? Müsste man mal nachlesen.

Nach dieser fast an die Ohnmacht grenzender Enttäuschung fahre ich Richtung Downtown. Besser wäre ich an den Strand gefahren oder so. Das Navi führt mich auf den Freeway, es ist ca. 13 Uhr. Der Freeway ist voll, es geht nur mit „Stop and Go“ voran. Der totale Verkehrsinfarkt auf 6 Spuren … in eine Richtung. Auf der Gegenfahrbahn sieht es nicht anders aus. Carmageddon … ich hasse Autofahren in den Staaten. ;)

Hier in LA setzte man sehr stark (sehr stärker als andere amerikanische Städte) auf das Auto und den Ausbau eines umfassenden Schnellstraßennetzes. Nachdem die zehn- und zwölfspurigen Autobahnen und bis zu vierstöckigen Kreuzungen und Abzweigungen lange Zeit als vorbildlich angesehen wurden, sieht sich die Stadt schont seit 20 Jahren an den Grenzen des Individualverkehrs. Die Rush Hour dauert auf den Freeways mittlerweile ganztägig. Aber Platz für noch mehr Straßen und Spuren gibt es kaum noch. Das öffentliche Verkehrsnetz gibt es so gut wie gar nicht. Es ist die Hölle. Merk ich grade …

Trotz des Verkehrs bin ich relativ schnell in Downtown und steuer wieder mal ein Parkhaus an, andere Möglichkeiten gibt es hier nicht. Aufgrund hoher Gebäude überall, hat das Navi gewaltige Probleme ein GPS Signal zu empfangen, die etwas dürftige Karte ist ein besserer Wegweiser in diesem Fall. Eine Straßenkarte wär mal sehr sinnvoll, auch wenn die Orientierung nicht ganz so schwierig ist.

Ich besorge mir was zu essen und setze mich in den Pershing Garden. Ein Square mitten in der Stadt, mit Wolkenkratzern zugebaut, mit einem Wasserbrunnen in der Mitte. Es ist heiß. Auf den Grasflächen halten die Obdachlosen ihr Mittagsschläfchen, es ist alles irgendwie träge hier, kein lebendiges Treiben, öde. Ich laufen noch einige Straßenblöcke in der Hoffnung einer Besserung. Außer einem Film-Dreh passiert hier nichts spannendes. Vor dem Civic Center wird eine Szene gedreht. Zwei Frauen sind wohl hier die Hauptakteure. Das ist der einzige Ort, wo noch Bewegung stattfindet. Was die für ein Aufwand betreiben, unglaublich. Außer den beiden, sind hier mind. noch weitere 40 Personen und einige Hundewelpen, die daran beteiligt sind. Was jeder einzelne von denen genau macht, kann man überhaupt nicht erkennen, es ist ein Durcheinander, ohne einer bedeutenden Aktion. Langweilig, also wieder zum Auto.

Ich geb’s auf und fahre zurück nach Santa Monica. Zum Glück verläuft die Fahrt aus der Stadt flüssig. Die Autolavine in die Stadt hinein, verheißt allerdings nichts gutes. 14 Spuren in beide Richtung, alles dicht. Erinnert ein bisschen an die Szene aus „Falling Down“.
Hier in Santa Monica gibt es eine Fußgängerzone. Keine schlechte Idee. Es ist eine Oase über 3 Wohnblöcke, mit Geschäften und Cafes. Keine Autos, eine breite Allee, mit vielen schattigen Sitzgelegenheiten. So muss es aussehen! Straßenkünstler jeglicher Couleur stellen ihr Können unter Beweis. Super.

hmmm… LA ist nervig als Stadt, muss man nicht sehen.

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