Everglades

… es grünt so grün …

Wir verlassen Naples in Richtung Homestead/Florida City. Es geht durch und in den Everglades NP. Zuvor schaffe ich es nicht, mit dem Navi eins zu werden und so verfahren wir uns in Naples. Nicht sehr wild, aber durch ein zu frühes abbiegen landen wir in einer typischen (?) Siedlung. Ich fühlte mich unweigerlich an einen Song von Nick Cave erinnert:

We’ve laid the cables and the wires
We’ve split the wood and stoked the fires
We’ve lit our town so there is no Place for crime to hide
Our little church is painted white
And in the safety of the night
We all go quiet as a mouse
For the word is out
God is in the house

Alles sah wie „geleckt“ aus. Sauber und adrett. Wer den Film „Edward mit den Scherenhänden“ kennt, weiß in etwa was ich meine. Hier wird bestimmt drauf geachtet, das der Nachbar jeden Samstag auch fein seinen Rasen mäht und den Vorgarten in Ordnung hält. Brave new world. Wem’s gefällt. Gerne.

Dann geht es aus Naples raus und wir sind schnell auf dem Tamiami Trail. Bisschen Schlaugeschwätz… wird „Tammy-Ammy“ gesprochen, damit es sich reimt. Steht aber eigentlich für die „alte“ Straße zwischen Tampa und Miami. Daher der Name. Man könnte von Naples auch die Interstate 75 in Richtung Miami nehmen, aber dann entgeht einem was.

Zuerst halten wir (obligatorisch) in Ochopee an. Müsste an sich ein weltbekannter Ort sein. Denn dort steht, mit gut 8qm, das kleinste Postamt der USA. Obligatorisch … weil hier wohl jeder anhält um ein Bild zu machen und eine Karte zu verschicken. Da wir auch mal mit dem Strom schwimmen wollen, machen wir auch ein paar Bilder und … verschicken ein paar Karten. Mal sehen, wann die denn ankommen. Wirklich spektakulär ist es hier nicht, aber man muß mal dagewesen sein. Bestimmt.

Weiter geht es durch die Everglades, genauer gesagt durch den Big Cypress National Preserve (Park). Die Straße führt recht eintönig durch die vereinzelt stehenden Cypressen. Wirklich „Big“ erscheinen die nicht, aber vielleicht ist damit auch nur die Ausdehnung gemeint. Sehr viel zu sehen gibt es wieder nicht, ich fange langsam an, die verschiedenen Grüntöne zu zählen. Ich bin froh, als wir endlich die Monroe Station erreichen. Von hier führt eine 25 Meilen lange, ungepflasterte Straße, die Loop Road,  direkt durch die Sümpfe. Am Anfang ist noch etwas Schotter vorhanden und man kommt gut durch, auch wenn man so maximal 20 mph fahren kann. Nach ca. 5 Meilen, wir haben grade das letzte Haus (Wer bitte wohnt hier?) passiert, warnt ein Schild, das durch anhaltende Regenfälle die Straße in einem sehr schlechten Zustand ist. Pah… ich bin durchs Monument Valley gefahren und mein Rücken ist heil geblieben, was soll hier schon passieren? Öhm… also… es wurde schlimm.

Die nächsten gut 17 Meilen mussten wir durch Schlaglöcher fahren, an deren Grund seit Tagen kein Sonnenstrahl mehr zu sehen war. Es reihen sich riesige, mit Wasser gefüllte, Schlaglöcher aneinander. Wir haben zwar einen SUV, aber irgendwie hat der keinen 4WD. Und ich glaub, man darf mit einem Leihwagen hier eh nicht rumfahren. Egal… es gibt kein Zurück, also mutig nach vorne, irgendwie kommen wir schon irgendwo an. Die Loop Road ist an einigen Stellen nur etwas breiter als das Auto selbst, und wirklich abschätzen, wie tief so ein Schlagloch ist, kann man auch nicht. Erst hatte ich gedacht, Paulchen aussteigen zu lassen und durch die Schlaglöcher gehen zu lassen. Wenn nur noch der Kopf raus schaut, ist es zu tief für Max. (Paul hat unser Auto so getauft, weil überall „Max.“ steht. Schlau.). Von dieser Idee bin ich dann aber wieder abgerückt, da uns dauernd irgendwelche großen Mücken? „angegriffen“ haben. Daumengroße, rote Insekten sind dauernd an die Scheiben geflogen. Ein kleineres Exemplar konnt ich mal ablichten. Neben diesen großen Insekten gab es noch Handteller große Schmetterlinge. Kishon lässt grüßen, nur das sie hier wirklich real waren.

So große Schmetterlinge hatten wir noch nie gesehen. Zweimal haben wir auch einen Alligator gesehen, links und rechts gab es ab und zu einen freien Blick in die Mangrovensümpfe. Dann gab es noch Geier und einen Adler zu sehen. Und ein Tier, das aussah wie ein Katze. Leider ist es dann von der „Straße“ gesprungen, und wir konnten keinen genaueren Blick drauf werfen, geschweige denn zur Bestimmung ein Bild machen. Schade eigentlich.

Während der Fahrt über die Loop Road bekam ich von Paul neben einigen, „Da. Ein Krokodil. Ach ne, nur ein Stein“ (in dem einen oder anderen Schlagloch) eine genaue Erklärung der „Guten“ und der „Bösen“ in Star Wars. Warum auch immer er mir das grade hier erzählen wollte, keine Ahnung. Aber angefangen von den beschreibenen Charakterzügen des Kanzler Palpatines über den Imperator bis hin zu Darth Vader weiß ich jetzt alles, was ich nicht eh schon wusste. Er lies sich aber nicht davon überzeugen, das der Kanzler, der Imperator und der letzte Sith-Lord ein und dieselbe Person ist. Da ich genug damit zun tun hatte, das Auto und uns heile aus dieser doch etwas unwirklichen Straßensituation herauszumanövrieren (schreibt man das zusammen?), hab ich das dann auch nicht weiter vertiefend diskutiert.

Die ganze Odysee hat dann auch gut 2 Stunden gedauert, da wir neben „anhalten und nach Alligatoren Ausschau halten“, vorsichtig durch die einzelnen Schlaglöcher fahren mussten. Neber der Vegetation haben mir zum Ende der Loop Road zwei Schilder gefallen. Einmal die Geschwindigkeitsbegrenzung auf 25 mph (ich würd ja auch nur so schnell fahren, wenn ich nur könnte) und zum anderen das „Slow! Children!“-Schild. Es gab wirklich hier und da vereinzelt Häuser. Unglaublich. Um ehrlich zu sein.

Fazit der Loop Road: Abenteuer pur. Hatte ein wenig was von der Camel Trophy. Leider nur zwei Alligatoren gesichtet, aber dafür kenn ich jetzt „Poggel, Vizekönig der Allianz“.

Die weitere Fahrt nach Homestead verläuft wieder recht eintönig. Man könnte noch hier und da an einer Airboat-Tour teilnehmen, aber alle einschlägigen Quellen raten davon ab, weil es nur Nepp ist. Also verzichten wir darauf und Paul kommt auch erst gar nicht auf die Idee zu fragen, ob wir sowas fahren könnten.

In Homestead angekommen müssen wir erstmal tanken und sehen jetzt erst, welche Auswirkungen die Wasserschlaglöcher am Auto hinterlassen haben. Aber nach einer 2-Dollar-Handwäsche sieht Max wieder aus wie neu und wir können weiter südlich in den Everglades NP fahren. Ich kann Paul davon überzeugen, das wir noch zwei kurze Wanderungen machen werden, weil wir bestimmt noch einen Alligator zu sehen bekommen. Ok, zu diesem Zeitpunkt drückte ich mir nur mehr die Daumen, das das auch stimmt, um einer Diskussion anschliessend aus dem Weg zu gehen.

Als erstes steuerten wir den „Anhinga Trail“ an. Über Holzstege wandert man sicher über den Sumpf und kann sich ohne Probleme die einzelnen Tiere und Pflanzen anschauen. Hauptsächlich sehen wir Reiher und einige Fische, bis wir (Yesss!, keine Diskussionen) unter einem Mangrovenbaum einen Alligator entdecken, der sich dort faul abgelegt hat. Er ist ca. 2 Meter lang und ist nicht weit von uns entfernt. Zum Glück können die Viecher nur schwimmen und nicht springen, so das uns keine Gefahr droht. Allerdings wird uns der Alligator bald überdrüssig und verschwindet, erhabend paddelnd wie ich finde, ein Stück weiter unter einer anderen Mangroveninsel. Aber wir haben zumindet „hautnah“ einen Gator gesehen. Der Rest der Wanderung hier ist unspannend, aber wir können mal wieder ein paar Dreamteam-Bilder machen.

Am Ende der Wanderung bekomme ich noch zwei wirklich neue Kunststücke mit dem Ball gezeigt. Paulchen beweisst mal wieder, das man auf nur zwei Quadratmeter Rasen Fußball spielen kann. Der Ball schien am Kopf angeklebt. Szenenapplaus von zwei älteren Frauen erheiterten die ganze Situation.

Die zweite Wanderung am „Pa-hay-okee“ hatte ich mir auch etwas spannender vorgestellt. Da gibts aber nur einen kleinen Ausschichtsturm, wo man die Gelgenheit hat, weitere Grüntöne zu zählen. Wenn in der Ferne nicht ein Gewitter zu sehen gewesen wäre, wärs noch unspektakulärer gewesen. Wirklich interessant ist vielleicht nur die Info, das wir uns an der Stelle grad mal 90 cm über dem Meeresspiegel befunden haben. Immerhin.

Was zum Glück ausgeblieben ist, und hier muss ich wieder Kishon hinzuziehen, sind die Myriaden von Mücken, die uns angeblich um diese Jahreszeit hätten erwarten sollen. Davon war zum Glück weit und breit nichts zu sehen, sieht man von diesen riesen Dingern auf der Loop Road ab.

Alles in allem bleibt zu den Everglades zu sagen … es war interessant, aber der Funke ist nicht wirklich übergesprungen. Einige Bilder sind was geworden, aber mir bietet der NP zu wenig Abwechslung, und ist mir alles in allem zu grün.

Morgen geht es auf die Keys. Auf in die Karibik.

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