Wie die Axt im Walde

Wenn ich noch mal ganz viel Zeit habe, werd ich meinen Plan Psychologie zu studieren mal wieder aufnehmen. Es ist oftmals gar abenteuerlich, wie Menschen re- und agieren. Und ich bin immer noch der felsenfesten Überzeugung, das vorauseilender Gehorsam Kriege entfachen kann. Kein Wunder, dass „der Deutsche“ in den Staaten so ein komisches Ansehen hat.


Leider kann ich nicht zu sehr in die Tiefe gehen, aber es verwundert mich und löst eine absolute Bestürzung bei mir aus, wie zuerst reagiert, dann agiert und vor allem kommuniziert wird. Auf eine einfache Info (Mail) in der ich lediglich mitgeteilt hatte, das es sein kann das „man“ von „woher auch immer“ angesprochen wird, wurde ein Prozess in Gang gestossen, den ich bei weitem nicht gut heissen kann und für den ich mich im Grunde sehr schäme. Schäme dafür, das ich ein Teil des Prozesse war oder bin. Schäme dafür, dass ich aus dem gleichen Umfeld stamme. Schäme dafür, wie „wir“ hier angesehen werden. Tut mir leid, aber was da abgelaufen ist, ist im absoluten Masse unkorrekt. Und zeigt mir wieder mal, dass ich bestimmten Personen in meinem Umfeld solche Informationen nicht mehr zukommen lassen werde. Zumal man durchaus unterstellen kann, dass es sich bei meiner Infomail, die ich angesprochen habe, um eine Art Beschwerde oder Beklagen handeln könnte. Wenn man die Mail und deren Wortlaut nicht kennt.

Wie kommt also jemand dem eine reine Infomail geschrieben worden ist, dazu, diese zu benutzen um in unhöflichem Maße, absolut „sich daneben benehmend“, weitere Mails zu versenden und Menschen in diesen Mails anzupflaumen?

Hallo! Es war eine Infomail. Keine Beschwerde. Kein: Unternimm was. Kein: Was soll der Mist? Kein: Es ist Deine Aufgabe dort einzuschreiten. Es war „nur“ eine einfache Info. Nicht mehr, nicht weniger.

Was allerdings folgte waren Schreiben, die ein ungläubiges Gesicht, Kopfschütteln und im hohen Maße ein „ich schäme mich dafür“ hervorgerufen haben. In den Schreiben, die zufälliger Weise „über den Teich“ gingen (sonst wäre das ja auch nicht hier in NY abgelegt ;)) wurden in übelster Weise Trashwörter wie z.B. „Bullshit“ benutzt. Mit sich wiederholenden Fragezeichen gespickte (Halb)-Fragen, die nicht mal vollständig ausformuliert worden sind. Sauber. Wirklich. Wird eine Frage fragender, nur weil ich drei oder vier Fragezeichen setze? Nein, bestimmt nicht. Und noch was zur Grammatik: Vor ein Satzzeichen kommt kein Leerzeichen. Das sieht Scheiße doof aus und ist zudem falsch. 6, setzen.

Für mich war und ist diese Aktion vorauseilender Gehorsam. Der Empfänger der Infomail, keine Ahnung was genau dieser Mensch für ein Problem hat, meinte wohl eine Art Beschwerde in diese Mail reininterpretieren zu müssen. Dabei ist man so was von am Ziel vorbeigeschossen. Meilenweit. An dieser Stelle möchte ich gerne Wikipedia, resp. die Bundeszentrale für politische Bildung zitieren:

„… dieser Form des Gehorsams sind entweder Emotionen, diffuse Ängste und mangelnde Selbstwertgefühle gegenüber vermuteten Autoritäten, die derartige Unterwürfigkeit bedingen.“

„Der vorauseilende Gehorsam macht auch politisch totalitäre Systeme möglich. In diesem Zusammenhang ist der vorauseilende Gehorsam weniger Feigheit als mangelnde Zivilcourage (Untertänigkeit, Kriechen, Duckmäuser).“

Das einzige was erreicht worden ist, sind zum einen mit Sicherheit hochgezogene Augenbrauen bei den anschliessenden Empfängern, und zum zweiten meine immer wiederkehrende Erkenntnis:

There are two rules for Success in Life:
Rule #1: Don’t tell people everything you know

Diese ganze Aktion war sehr kontraproduktiv und ein netter Bärendienst und zeigt wiedermal sehr schön, wie Menschen ticken und funktionieren. Manchmal oder fast immer? sollte folgender (amerikanischer) Grundsatz berücksichtigt werden:

Don’t say nothin‘, if you don’t have something nice to say

Oder deutlicher ala Dieter Nuhr.

Ja. Ich hätte es besser wissen müssen und ich hab es auch eigentlich besser gewusst. Ist passiert und nicht mehr änderbar, und es bedarf jetzt einigen Fingerspitzengefühls, diese Situation wieder grade zu rücken.

Merke: So wie Du kommunizierst, so bist Du. Und so schätze ich Dich auch ein. Kleiner Schluck Lebenserfahrung, die grade mal wieder bestätigt worden ist.

Und daraus resultierend eine kleine Bitte an die Leser dieses Blogs: Es tut nicht weh zu fragen, wenn man was nicht richtig oder anders oder vielleicht komplett falsch verstanden hat. Dann aber bitte fragen und nicht vermuten oder „meinen zu wissen“. Danke.

 

 

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