Nur 48 Stunden

… und wenn man möglichst alles genau zeitlich abstimmt, entgeht man sogar dem Jetlag.

Letztes Wochenende war das erste Mal dieses Jahr, wo ich Paul aus Deutschland zu seinen Ferien bei mir abgeholt habe. Kurz von New York nach Deutschland fliegen, ihn abholen und einpacken und wieder zurück. Kein großes Ding, lässt man mal Kosten und Umweltbelastungen außer Acht. Bezüglich der Umweltbelastungen hab ich mein Gewissen damit beruhigt, dass ich die besondere Umweltpauschale der Lufthansa mit gebucht habe. Andere Möglichkeit wäre wohl noch zu schwimmen, aber der Atlantik ist ja nun auch nicht grade ein Quell der Erholung um diese Jahreszeit. Deswegen zieh ich das Fliegen mal vor. Im Großen und Ganzen hat alles gut geklappt, möchte auch eigentlich nur kurz auf die Lessons Learned eingehen. Und das einigen Gedanken im Vorfeld der kurzen Reise absolut richtig waren.

Hinflug von NYC nach Deutschland recht spät wählen. Zum einen kann man den Tag über normal arbeiten, zum anderen kann man im Flieger eine Mütze Schlaf nehmen. Und kommt mehr oder weniger ausgeruht in Deutschland an. Die Sache mit dem Leihwagen hab ich ja hier schon mal kurz berichtet, und musste lernen, dass es sich bei dem durchaus günstigen Tarif um einen Wochenendsondertarif handelt. Also bekam ich den Wagen auch erst um 12 Uhr. Netter Kontakt am SIXT-Schalter, aber leider nicht die amerikanische Freundlichkeit und ich hab mich auch jetzt nicht als „Kunde-ist-König“ gefühlt, vielmehr als Bittsteller. Egal, gibt Schlimmeres.

Ja. Schlimmeres. :) Autofahren auf deutschen Autobahnen. Auch egal, ich kann mich nicht jedes Mal darüber aufregen, welches Verhalten auf deutschen Autobahnen gelebt wird. Ich blinke, also fahr ich. Frei nach: Ich denke, also bin ich. Ich hatte nun wirklich kein langsames Auto, und ich fahre auch gern mal einen Stiefel schneller, wo es erlaubt ist. Aber ich kenn in etwa meinen Bremsweg und halte gerne etwas Abstand. Weiß ich, ob der Vordermann, obwohl er mit knapp 200 unterwegs ist, nicht auf einmal plötzlich für einen Ameisenknochen der da rumliegt bremst? Alles schon erlebt. Also, Abstand halten. Und wenn sich einer der „Ich blinke, also fahr ich“-Fraktion dann in die Abstandslücke presst und die Autos hinter sich dazu zwingt von 200 auf 133 abzubremsen, egal, hab ich mich schon dran gewöhnt. Darüber reg ich mich schon gar nicht mehr auf. Zumal, wenn ich alleine im Auto bin. Was mich allerdings absolut auf die Palme bringt ist, wenn ich einen oder beide Kids dabei habe. Wenn man in relativ starken Verkehr immer noch gut auf der linken Spur unterwegs ist, und dann von irgendeinem Spacken unter heftigen Gestikulationen die Sonne bekommt und der Blinker auf Dauerfeuer steht, versteh ich das nicht. Was für Spinner. Profilneurosen? Schlechter oder gar kein Sex mehr? Zuhause nichts zusagen? Unzufrieden mit dem Leben? Würd mich mal interessieren, welche Gehirnwindungen bei solchen Menschen ab 150 km/h ausgeschaltet werden.

Am Samstag auf den Weg nach Frankfurt hatte ich dann mal wieder so einen netten Zeitgenossen  hinter mir. Bei 180 km/h konnte ich sein Nummernschild nicht mehr sehen und er meinte mich mit Lichthupe wegzuscheuchen. Kein Problem. Ich lass solche Leute immer schnell vorbei. Kurz rechts in eine Lücke, etwas gelupft, damit Vatti überholen konnte und gut war. Und mal gleich Marke und Nummernschild gemerkt. Wer weiß, wofür das gut ist. ;) Weit weg kam er auch nicht, da der Verkehr zwar flüssig lief, es aber eben auch recht voll war. Und wie es der (dumme?) Zufall so wollte, mussten wir einen kleinen Stopp einlegen. Hehehe… frohlockend fiel mir ein Auto auf, welches ich doch eben erst kennengelernt hatte. Gleich daneben gehalten, ausgestiegen und ans Fenster geklopft. :) Vatti erkennt mich oder das Auto oder was auch immer, sofort, wird leicht rot und kurbelt das Fenster runter. Ich: „Ich wollte Ihnen nur sagen, dass Ihr Fernlicht und Ihr Blinker einwandfrei funktionieren. Glückwunsch.“ Dann mich umgedreht und Paul aussteigen lassen. Der schaut mich groß an, und fragt: „Papa, wer ist denn das?“ Ich: „Das ist einer, der bald vor ’nen Baum fährt.“ (Hoffentlich)… laut genug, dass Vatti das auch gehört hat. Ich weiß, ich muss da an mir und meinem Temperament arbeiten.

 

A380

Geflogen sind wir dann mit dem (neuen) A380. Die Bordcrew, allen voran der verantwortliche Purser Steffanie Schulten, war sehr nett. Die es sich nicht nehmen lies, während des Fluges mehrfach darauf hinzuweisen, dass sie und die ihre ganze Crew stolz darauf sei, uns (die Passagiere) mit „dem neuen Flaggschiff der Lufthansa, mit dem Airbus A380“ von Frankfurt nach New York zu fliegen. Ha. Du weißt nicht, was ein Purser ist? Wusste ich auch nicht. Aber Wikipedia hilft da weiter:

Purser (AP oder PUR, dtsch. Kabinenchef) ist die englische Bezeichnung für den ranghöchsten Flugbegleiter bzw. die ranghöchste Flugbegleiterin einer Kabinenbesatzung (engl. cabin crew) in einem Passagierflugzeug. In den europäischen gesetzlichen Bestimmungen JAR-OPS wird der Purser als leitender Flugbegleiter, in der englischen Gesetzesausgabe als Senior Cabin Crew Member bezeichnet. Der Begriff Purser ist aber u. a. auch bei der Lufthansa offiziell gebräuchlich.“

Also ist der Purser der Chef oder die Chefin der Bordcrew. Da aber wohl alles anglifiziert werden muss, heißt es wohl neuerdings Purser. Zumindest hab ich es auf diesem Flug zum ersten Mal gehört.

Ich hätte auch durchaus einen Änderungsvorschlag zum Ansagetext des Pursers:

Nasale Stimme, durch den üblichen Bordfunk hervorgerufen: „Meine sehr geehrten Damen und Herren, hier spricht ihr heutiger Purser Steffanie Schulten. Ich begrüße Sie auf dem Flug von Frankfurt nach New York. Sie fliegen mit dem neuen Flaggschiff der Lufthansa, dem Airbus A380. Die Lufthansaspezifikation der Sitzreichen entspricht dabei der optimierten Sitzplatzanzahl, das heißt, auch wenn Sie glauben zu wissen, dass Sie in einem der neusten und modernsten und dem größten Flugzeug der Welt sitzen, dass sie mehr Platz haben, haben Sie sich gewaltig geirrt. Wir haben die Sitzplätze und Reihen so eng geplant und zusammengeschoben, dass wir die maximale Sitzplatzanzahl von 526 Sitzen voll ausschöpfen können. Sollten Sie sich nach rechts und links und nach vorne beengt fühlen, können wir Sie trösten: Der Eindruck stimmt, wir haben nicht am Komfort der Fluggäste gearbeitet, sondern an der Auslastung des Flugzeuges. Seien Sie mal nur froh, dass wir Ihnen nicht noch 10 Zentimeter Fußraum mehr weggenommen haben. Ja, und auch unsere Toiletten sind noch kleiner geworden. So konnten wir noch weitere vier Sitzreihen a 10 Sitze einbauen. Stellen Sie sich mal nicht so an. Sie sind doch bestimmt früher auch mal Schulbus gefahren, da kennen Sie das doch. Ebenso ist es normal für das neue Flaggschiff der Lufthansa, dem Airbus A380, dass nicht genügend Stauraum in der Ablageflächen vorhanden ist. Wir freuen uns, dass Sie mit Lufthansa fliegen und servieren Ihnen gleich ein lauwarmes Essen, da wir es nicht schaffen, alle Essen für 526 Passagiere gleich warm anzubieten. Sollten Sie Fragen haben, wenden Sie sich bitte an mich, den Purser, oder an einen meiner Kollegen.“

Wirklich, der Platz in der A380 ist nicht viel besser als in einem A330 oder einer Boing 747. Und die Toiletten sind meines Erachtens auch noch mal in der Größe geschrumpft. Und warum es noch Fenster gibt, bleibt mir schleierhaft. Selbst von den Fenstersitzen heraus ist es kaum möglich einen vernünftigen Blick aus dem Fenster zu werfen, da diese durch die ovale Form der Hauptkabine sehr weit vom Sitz entfernt sind und in einer Höhe angebracht sind, in der man wirklich ein Sitzriese sein muss um vernünftig herausschauen zu können.

Positiv erwähnt werden sollte allerdings die Geräuschentwicklung des Flugzeuges. Da konnten die Ingenieure wirklich mal was leisten und die Geräuschbelastung des Flugzeug ist während des Fluges erstaunlich gering. Nur ein leichtes, recht angenehmes Summen. Das Entertainmentprogramm ist auch gut, wurde aber in den ersten zwei Stunden fast minütlich vom Purser unterbrochen. Dabei hält dann der Film oder Beitrag an, und die Stimme des Pursers wird auf die Kopfhörer gegeben. Und das wie bei der Werbung von RTL, Pro 7 und SAT-1: Dreimal so laut wie der eigentliche Beitrag. Selbst wenn man grad etwas Musik zum dösen gehört hat, wurde man durch den einsetzenden Tinitus bei so einer Ansage, lecker aufgeweckt. Masche? Hey, wir müssen hier arbeiten. Wie sollten wir Dich da dösen lassen?

Zwei kleine Spielereien möchte ich noch ganz kurz erwähnen: Der A380 hat drei Außenkameras, auf die man schalten kann. Einmal hinten am Heck, dann eine die „nach rechts schaut“ und eine, die unter dem Flugzeug angebracht ist und nach unten „schaut“. Die war zumindest beim Start ganz lustig, so konnte man schön sehen, wie das Flugzeug an Höhe gewinnt. Ich denke mal, diese Kameras sind den Positionen der Fenster geschuldet. ;) Die andere Spielerei: In den Armlehnen gibt es einen Ethernet- und einen USB-Anschluß. Leider hatte ich weder das eine noch das andere dabei um das zu testen. Aber das war ja nicht der letzte A380 Flug in diesem Jahr, ich werde also berichten.

Bezüglich Flug, resp. Anflug hab ich ja schon kurz berichtet. Aufgrund eines Stürmchens ;) über Long Island durften wir erstmal ’ne Warteschleife, ok es waren 4, über Long Island fliegen. Dabei ging es immer in einer großen Runde von Queens zurück bis in etwa Höhe Riverhead. Zum Anflug dann rauf aufs Meer Richtung New Jersey und dann direkt über Manhattan zum Anflug auf JFK. Absolut schade. Sicht aus dem Fenster und auch von der Kamera unter dem Flieger war gleich null, sonst hätte man einen schönen Blick auf Manhattan gehabt. Einzelheiten des Anfluges erspare ich ängstlichen Lesern besser, aber man glaubt nicht, wie das neue Flaggschiff der Lufthansa, der Airbus A380, wackeln kann. Ich sag mal so: Der kann ganz schön wackeln. Und wer sich so ein bisschen auskennt: Der Pilot hatte dem Purser und den anderen Flugbegleitern schon beim Anflug auf Long Island angewiesen ihre Plätze einzunehmen. :)

Kaum gelandet gab es doch wirklich ein paar Drösels, die klatschen mussten. Aua. Hey, Kegelbrüder und Schwestern: Macht das auf euren Flügen nach Malle. Ja, bitte, gerne. Aber doch nicht Linie. Echt. Geht gar nicht. Der Pilot hört das eh nicht und keiner von euch/uns bekommt Applaus bei dem, was er täglich macht. Oder? Tztztz.

Oben hatte ich angemerkt, dass ich was zu Lessons Learned schreiben wollte. Mach ich hiermit. :) Die nächsten Flüge aus Deutschland werden Frühflüge sein. Da lässt sich die Zeit noch besser einteilen und die Fahrtzeiten der Züge vom JFK sind besser. Ich hatte diesmal einen Spätflug gewählt, um Paul die Zeit zu vereinfachen, aber man glaubt gar nicht, wie gut der das gemeistert hat. Weiterhin war es gut, Sitzplätze vorne zu wählen. Das hatte ich aus Florida schon gelernt und mitgenommen. Wenn ich alleine fliege, sitze ich gerne weit hinten. Macht mir nichts aus und ich find es da einfach angenehmer. Ist bestimmt nur ein Bauchgefühl, aber ist halt so. In Florida hatte ich schon die Erfahrung gemacht, dass hinten sitzen in einem Ferienflieger nach USA nicht die beste Wahl ist. Warum? Nun, man kommt, wenn man hinten sitzt nunmal auch mit als letztes aus dem Flugzeug und somit ziemlich zum Schluss an die Immigrationsschalter. Und das ist das eigentlich fatale. Ich weiß, das hört sich jetzt bestimmt wieder total hochnäsig und abgedreht an, aber machen sich manche Leute bevor sie so ein Land besuchen mal mit den Formalitäten vertraut? Oder schauen die sich im Flieger vielleicht noch mal den „Was muss man beachten bei der Einreise„-Film an? Scheint nicht so. Da werden Pässe nicht gefunden, Diskussionen geführt ob man das Handy nun in dem Bereich benutzen darf oder nicht, Zollerklärungen vergessen auszufüllen (obwohl man mehr als genug Zeit während des Fluges hat) etc. Also ist es durchaus sinnvoll, Plätze vorne zu reservieren und zu versuchen vorne mit aus dem Flieger zu sein, das verkürzt die Einreise ungemein, und warten ist nicht die größte Stärke von jemand Kleinem. ;)

Alles in allem hat die ganze Unternehmung gut geklappt und ich bin ohne Jetlag durchgekommen. Ebenso empfand ich keine körperliche Belastung durch die Zeitunterschiede. An der Optimierung der Zeit, Ziel ist es das Ganze um 40 Stunden zu schaffen ;), arbeite ich noch. Bleibt spannend.

 

 

 

 

 

 

4 thoughts on “Nur 48 Stunden

  1. Um noch mal kurz auf die Umweltbelastungen zurüch zu kommen….

    Könntest Du beim nächsten Mal spaßeshalber mal so ´nen Strahlenmesser tragen? :))
    Im übrigen fand´ich die Reaktion auf Vatti total im Rahmen. Hätte Andre den noch mal getroffen….. ;)))

  2. Versprich dir von dem USB und dem Ethernet Anschluss nicht all zuviel. Der USB Anschluss ist dafür da, mit einer Art Klapp-Gamepad die Spiele auf dem Bildschirmchen zu meistern. Man könnte evtl. noch das Telefon laden (wobei ich unsicher bin, ob die Anschlüsse auch Spannung haben). Den Gedanken erst mal schön USB Treiber für den A380 auf deinen MAC zu spielen, kannste gleich mal wieder vergessen ;-D

    Der Ethernet Anschluss ist bislang noch ohne Funktion (jedenfalls auf meinem Flug). Später soll es dann tatsächlich auch WLAN im Flieger geben (oder eben für die, die noch nicht auf WLAN sind, Internet over Ethernet :) ). Die Preise dafür kann ich mir jetzt aber schon vorstellen. Die sind bestimmt analog zu dem Hotspot am JFK :(

    Abgesehen davon fand ich die Fenster in dem A380 größer und ich für meinen Teil konnte super nach draußen schauen. Aber ich stimme dir absolut zu, die Designer werden nicht für mich als 08-15 Normalo gesized haben. Aber so habe ich wenigstens auch mal nen Vorteil „größer“ zu sein :)

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