Eine Corvette kann nicht schwimmen

Das hier ab und zu der Strom ausfällt, ist nicht Neues. Das ist zum größten Teil dem maroden Charme der Nachbarschaft geschuldet. Die Stromleitungen liegen zumeist überirdisch und man hat hier und da den Eindruck, die Installationen sind ähnlich alt wie die Häuser rund um Capitol Manor. Also, auch so um die 100 Jahre. Ich hatte schon alle möglichen Stromausfälle:

  • Flackerstromausfall, der dafür sorgt das sich Rechner und Sat-Receiver rebooten, rsp. gleich ganz Aus bleiben, weil es mal wieder ’ne Stromschwankung im Sekundenbruchteil gegeben hat.
  • Partieller Stromausfall von Kühlschrank und Kaffeemaschine, nachdem ich das Licht angemacht habe. (Nein, keine Ahnung, wie das zusammenhängt. Bin mir beim betrachten der Stromleitungen im Haus, speziell im Keller, auch nicht ganz sicher, ob ich das überhaupt wissen möchte.)
  • Total Stromausfall der ganzen Straße oder Siedlung.

Ich muss gestehen, beim ersten Stromausfall war ich etwas ratlos. Entweder hab ich bei der Übergabe nicht aufgepasst oder es war gar kein Thema, aber ich hab den Sicherungskasten nicht gefunden, und was sich später als Sicherungskaten herausgestellt hat, nie im Leben dafür gehalten. Die Sicherungen sehen ebenfalls reichlich alt aus, scheinen aber zu funktionieren. Man kann aber nicht erkennen, welche Sicherung gerade herausgesprungen ist. Am besten alle durchprobieren. Was mir beim ersten Mal, zugegebenermaßen den Angstschweiß auf die Stirn getrieben hat. Capitol Manor = 100 Jahre = 100 Jahre Sicherung = schwarze Sicherung auf schwarzem Grund = *bruzzel*. Ich hab zumindest geschaut, ob ich nicht u.U. grad‘ in einer Pfütze stehe, die ich irgendwie übersehen habe. (Hmmm… doch zuviel Final Destination geschaut?)

Allerdings, so hab ich mir angewöhnt, es nützt nix bei einem Stromausfall gleich in den Keller zu joggen und die Übeltätersicherung versuchen auszumachen, wenn es gar nicht am Haus liegt. So auch passiert: Bin schier fast verzweifelt, weil alle Sicherungen in Ordnung schienen. Bin durch Capitol Manor gesprungen und hab den Fehler gesucht. Und das ist bei zig Zimmern, Badezimmern, Ankleidezimmern, begehbaren Wandschränken mal ein Unterfangen. Flugs das (nicht vorhandene) Strommessprüfgerät rausgeholt und wollte grade anfangen alles durchzumessen, da fiel mir auf: Draußen ist auch kein Licht. In keinem der Häuser, keine Straßenbeleuchtung. Muss also was größeres sein. Totalstromausfall. Der sich mindestens mal über vier bis fünf Straßenzüge erstreckt. Dauert meistens so um ein bis eineinhalb Stunden, dann geht’s auf einmal wieder. Also, wenn der Strom ausfällt, erst mal schauen, ob draußen Licht ist. Spart Zeit und Nerven.

Was das alles mit ’ner Corvette zu tun hat? Soweit erst mal gar nichts. War nur grad in Schreibstimmung und ich hatte gestern einen Totatalstromausfall und heute hat ein heftiges Unwetter über Long Island getobt. Gegen 15:30 Uhr ist dann zumindest auch in Garden City der Strom ausgefallen und es hat übelst geregnet und gehagelt. Dabei waren Hagelkörner in Baseball-Größe, die erheblichen Schaden in Queens und auf Long Island angerichtet haben. So schaut’s aus:

 

Die Bilder stammen aus dem Artikel der NYT:

Storm

Neben dem langen Stromausfall, der ca. 2 Stunden gedauert hat, und den Hagelkörnern, hat der Starkregen für das gewohnte Chaos gesorgt. Wenn es hier schüttet, und nicht „nur“ regnet, was allerdings „Schütten“ in OWL schon recht nahe kommt, dann schüttet es mal richtig. Und wenn das Ganze dann mehr als 10 Minuten andauert, überfluten hier ruck-zuck die Straßen. Nachteil der Straßen: 80% sind konvex geformt. Sie fallen vom Mittelpunkt der Straße nach den Seiten hin merklich ab. Ein weiteres Problem: Es gibt nur sehr wenige, meist verstopfte Gullys. Oftmals nur am Anfang, in der Mitte und am Ende einer Straße. Scheint meistens zu wenig. So hat man auf der jeweils rechten Seite einer Straßenhälfte immer einen durchgängigen See von 20 – 30 cm Tiefe.

IMG 0687

Halbwegs vernünftige Fahrer versuchen den Bereich zu meiden. Gibt aber immer mal welche, hauptsächlich Fahrer tiefer gelegter Sportwagen (ich nehme an, die können besser schwimmen. Die Fahrer, nicht die Wagen), die die rechte Seite zum überholen nutzen. Sieht aber auch spektakulär aus, wenn dann das Wasser nach rechts wegspritzt. Da „zu Fuß gehen“ eh nicht zur Lieblingsbeschäftigung eines Amerikaners zählt, besteht auch kaum Gefahr jemanden einzunässen. (Heißt das so? Ich hab da grad was anderes im Kopf. Egal.) Dadurch, dass so praktisch eine Fahrspur auf den meist zweispurigen Straßen fehlt, staut sich der eh schon dichte Verkehr noch mehr und auch hier gilt: Bei Regen können „die“ anderen kein Auto fahren.

Als eine weitere kleine Besonderheit gelten die Unterführungen der Bahn an der Roslyn und der Hillside. Die stehen bei solch einem Regen flugs unter Wasser. Ich schätze mal, da sammeln sich mindestens 40 – 50 cm Wasser auf der Fläche der Unterführung, wenn nicht mehr. Ich würd mich nicht trauen da durch zu fahren. Vielleicht wenn ich einen RAM 1500 mit 3 Meter Federweg hätte. Dann ja. Aber nicht mit einer Corvette. Schönes Auto. Nur, wie sich heute auf der Hillside gezeigt hat, nicht schwimmfähig. Keine Ahnung, was der Fahrer versucht hat: Ob mit Schwung durch oder gleiten lassen. Jedenfalls stand er noch unter Brücke als ich dort vorbei kam. Beide Türen auf, sah nicht gut aus im Innenraum, soweit ich erspähen konnte. Hätte gern ein Bild gemacht, aber die Polizei hat alle an der Stelle vorbeigewunken. Schöner Wagen, aber ich hab ihn von meiner Liste gestrichen: Kann nicht schwimmen.

 

 

 

 

 

 

 

 

3 thoughts on “Eine Corvette kann nicht schwimmen

  1. Ich kann dich gut verstehen. Das die Corvette nicht schwimmen kann (zumindest in der Standardausführung) hatte meine Fahrzeugwahl auch stark beeinflusst. ;)

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