6 Staaten, Amische und Optimus Prime

Wir verlassen das regnerische New York über die Verrazano Bridge. Normalerweise sieht man von hier schön die Skyline von Manhattan. Heute herrscht mal grade 50 Meter Sicht. Yans Kamera bleibt noch kalt, am Ende des Tages sind es aber wieder ein paar Dutzend sehr gute Bilder geworden. Es geht über den NJTP Richtung Washington DC. Was die Jungs noch nicht wissen: Wir fahren über Philadelphia und Lancaster in einen Landstrich, der von vielen Amischen bewohnt wird. Auf einer Art Museumshof wird einem dort das Leben der Amischen nähergebracht.

Auf der Fahrt von New York über New Jersey nach Pennsylvania wird das Wetter wie erwartet langsam besser, wobei uns hier und da kurze, aber heftige Regenfälle überraschen. Ein bekanntes Phänomen tritt dabei zu Tage: „Die“ können hier bei Regen auch kein Auto fahren. Sind das uu alles ausgewiesene Lipper oder Bielefelder?

Kurz hinter Philadelphia wird es dann wieder richtig gut, und die Temperatur klettert auf gewohnte und angenehme 28°C. Die Landschaft hier am Fuße der Appalachen wird durch Wald und Wiesen beherrscht, große Industrieanlagen haben wir nicht gesehen. Die Höfe, die insbesondere Yan interessiert haben, gleichen sich im Aufbau sehr. Es gibt ein Haupthaus, ein oder zwei recht große Scheunen und ein Getreidesilo.

Schon auf dem Weg nach Lancaster sehen wir ein paar mal amische Landwirte, die mit pferdebespannten Gerät flügen oder mähen. Auch die ein oder andere Kutsche kommt uns entgegen, und wir sehen, dass sich die Amischen gar nicht so sehr von anderen unterscheiden. Selbst mit einem Pferdegespann kann man direkt am Briefkasten halten, auch wenn diese Alternative wesentlich umweltschonender sein dürfte.

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Das Museumsdorf „The Amish Village“ liegt etwa 3 Meilen von der US 30 in einer kleinen Senke und bringt einem sehr informativ die Lebensweise der Amischen näher. Zunächst bekommen wir eine sehr kurzweilige Führung durch ein typische Amisch-Haus und werden mit allerlei Informationen, die uns staunen lassen, zugeschüttet. So gibt es z.B. kein Strom im Haus, kein Telefon und kein Internet. Handys würden der Moral der Jugendlichen abträglich sein. (Hmm, so abwegig ist der Gedanke nicht. Trifft aber wohl auch auf Erwachsene zu.) Eine typische Amischfamilie hat im Schnitt 8 – 9 Kinder, um die sich die Mutter kümmert. Es herrscht eine strikte Rollenaufteilung, die sich selbst auf den 4-stündigen Sonntagsgottesdienst ausweitet. Dort sitzen Männer und Frauen getrennt voneinander. Eine Vielzahl von weiteren Fakten und Informationen folgte, wobei ich die Info, dass die Amischen der weltlichen Medizin nicht abgeneigt sind, mit am interessantesten fand. Ist man krank, ruft man durchaus einen Doktor und nimmt auch die Medizin.

Wie verlassen das Amisch Museum und fahren gemütlich, die Interstate meidend, durch das südliche Pennsylvania Richtung Maryland und wundern uns, ok … mehr Yan … wie man die nicht grade kleinen Felder nur mit Pferdegespann und Handarbeit bestellen kann. Zum Glück sehen wir eine Maisernte und er ist wohl froh, dass er bisher immer maschinelle Hilfe dafür hatte. Die Fahrt macht Spaß. Durch die Straße, die mehr den Gegebenheiten des Geländes angepasst ist (es geht rauf-und-runter), ist es abwechslungsreicher als auf der Interstate.

Auf dem weiteren Weg nach Washington frage ich Paul, ob er auch gerne mal eine Zeitlang ohne Fernsehen und Pleesi auskommen wollen würde? Wehemente Argumentationen, warum das grade nicht so gut wäre, folgten. Allerdings, und das war mal wieder ein „echter Paul“, stellte er sich eine Stoppuhr für zwei Stunden, in denen er kein technisches Gerät anfassen wollte. Hat er auch gut durchgehalten, auch wenn durch irgendeine Raum-Zeit-Verschiebung die 2 Stunden nur knapp 55 Minuten angedauert haben. Dann musste er unbedingt was nachschauen. Aber … der Wille und die Idee zählt absolut.

Über Baltimore, vorbei an der Zentrale der NSA und der Andrews Air Force Base ging es dann weiter Richtung Washington DC und nach Virginia, und somit dem 6ten Staat für heute. Obwohl ich mir nicht ganz sicher bin, ob Washington DC als Staat „zählt“. Wir übernachten, in Steinwurfweite vom Pentagon entfernt, in Arlington.

Als wir nach Washington reinfahren kommt auf einmal eine Stimme aus dem Off von den hinteren Plätzen. Paul, ganz aufgeregt: „Da. Da das Haus mit der Kuppel, das kenn ich, da will ich hin.“ Fragend schau ich in den Rückspiegel: „Das kennst Du? Was ist das denn?“ „Na, da spricht Obama zu den Leuten was so passiert.“ Große Augen bei mir und Yan. „Woher weißt Du das denn?“ „Das wird doch bei Transformers gezeigt.“ Yan wollte sich nicht mehr einkriegen und Paulchen grinste sich einen. Da sag mir noch einer, Hollywood und im speziellen Optimus Prime wär‘ ein No-Brainer. Obwohl … weder Yan noch ich können uns an das Capitol in Transformers erinnern.

Ein paar Bilder gibt es hier zu sehen, wobei ich doch mehr auf die Bilder von Yan verweisen möchte.

2 thoughts on “6 Staaten, Amische und Optimus Prime

  1. Da sind sehr gelungene Aufnahmen dabei, sowohl von dir als auch von Yan. Die gefallen mir sehr gut.
    Weiter so, dann ist der trostlose Sommer hier etwas besser zu ertragen.

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