Höhentraining

Die gut 11 Stunden im Park waren gleichzeitig schön, atemberaubend und anstrengend. Wir bewegen uns immerhin auf gut 2500 m. Nicht, dass da die Luft ultradünn ist, aber man merkt doch, dass man im Gebirge ist. Alleine die Intensität der Sonne ist (natürlich) anders, als bei uns im flachen New York. Meine Arme und mein Gesicht und Yannicks Nacken können ein kleines Lied davon singen. Werden sie heute Nacht bestimmt auch tun. Dem Einzigen, dem die Sonne nichts auszumachen scheint, ist unser Paul. Bis auf die interessante Färbung seiner Füße durch die Sandalen, ist er der einzige der eine knackige Bräune aufweist. Zu den Füßen später noch was mehr.

Da auch der frühe Cowboy eher ein entlaufendes Kalb fängt, ging es früh los heute morgen. Schlafen können wir noch, wenn wir Rentner sind. Ist ja zum Glück nicht mehr so lang hin bei mir. Heute stand die Westroute auf dem Programm. Von Mammoth und den Sinterterassen ging es über Madison runter bis zum Upper Geyser Basin rund um Old Faithful. Ich werde jetzt nicht jeden Halt und jeden Hike aufzählen. Das wär einfach zu viel und bestimmt auch langweilig. Da sprechen die Bilder, die hauptsächlich Yannick gemacht hat und unsere YAP News Tageszusammenfassung bestimmt bessere Worte. Hoffentlich. Und einen Film soll es ja vielleicht auch noch geben. Den aber dann erst später.

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Dann lieber zwei, drei Geschichten, was so aufregendes passiert ist. Die erste kleine Aufregung gab es kurz hinter Mammoth, auf einem Hochplateau mit Namen Gardners Hole. Von Gardiner schraubt sich die Parkstraße unaufhörlich in Serpentinen nach oben und erreicht ein paar hundert Meter nach der Golden Gate Passhöhe das Plateau Gardners Hole. Man kommt praktisch aus den Bergen, vorher waren nur steile Berghänge zu sehen, und steht oder fährt unvermittelt auf einem Hochplateau. Grasflächen soweit das Auge reicht. Auf dem 2850 m hohen Bunsen Peak liegt noch Schnee. Und mitten auf der Straße zieht plötzlich ein Ungetüm von Bison seinen Weg. Obwohl mitten auf der Straße falsch ist. Wie es sich für einen Bison mit guter Verkehrsausbildung gehört, trottet der Koloss auf der rechten Seite der Fahrbahn entlang. Imposant. Leider gelangen uns nur ein paar Po-Bilder und eine Ultranahaufnahme seines Schädels, als wir ihn langsam überholten. Hoffentlich ist auf dem Video mehr zu sehen. Die Begegnung war schon einzigartig, und wir hoffen, da noch bessere Bilder zu machen, wenn es sicherer ist. Leider gab es keine Haltemöglichkeit in der Nähe um Highway-Fred, so der Taufname für den Bison von den beiden Jungs, gefahrlos fotografieren zu können. Und Sicherheit geht mir da vor, auch wenn Yan bestimmt liebend gern aus dem Auto gejumpt wäre, um Bilder zu machen. Better safe then sorry. Nur kurze Zeit später ergeben sich zwei weitere Möglichkeiten, Bisons zu fotografieren. Auf einer Plateauwiese sonnt sich eine Bisonherde. Und da wir von den Tieren durch einen Fluß getrennt sind, können wir ohne Probleme ein paar Aufnahmen machen, auch wenn die Herde an dem anderen Flussufer ganz schön weit wegsteht. Wiederum ein paar Minuten später erspähen wir einen weiteren Bisonbullen auf der gegenüberliegenden Flusseite. Leider präsentiert uns auch dieser nur seinem Hintern. Schade. Kommen aber bestimmt noch andere Möglichkeiten.

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Mit Tieren hatten wir heute etwas mehr Glück. So lungerte mitten in Mammoth eine Elchherde herum, und Yannick konnte ein paar sehr geile Bilder machen. An den Gibbon Falls haben wir dann lustige Raben fotografieren können und im Upper Geyser Basin ließ sich ein Streifenhörnchen begeistert von uns aufnehmen. Die Fluchtdistanz von A- oder B-Hörnchen hätte ich auf jeden Fall höher eingeschätzt.

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Ansonsten stand der Tag voll im Zeichen von Wasser und Dampf. Der schweflige Geruch der dabei von einigen Quellen und Geysiren ausging, erinnerte mich dabei an eine weit entfernte Vergangeheit, als ich noch wusste, wie man einen Schweflsäuretrennungsgang kocht. Gute alte Zeit. Ich hab im übrigen nie Blei ausfällen können. Das nur zur Vollständigkeit.

Die Farben, die die heißen Quellen und Geysire hier haben umfasst mindestens zweimal das Regenbogenspektrum. Bestimmt. Kommt hoffentlich auf den Bildern so rüber. Am beeindruckendsten war unserer Meinung nach der Grand Prismatic Spring im Midway Geyser Bassin und auf jeden Fall der Morning Glory Pool, der im Upper Geyser Bassin liegt. Wow.

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Alleine im Upper Geyser Bassin liegen 75 aktive Geysire und gut 600 Hot Springs. Von den Geysiren hat uns am besten der Grotto Geysir gefallen. Absolut beeindruckend. Wir hatten auch das Glück den Castle Geysir ausbrechen zu sehen. Er spuckte weniger Wasser, dafür eine gut 20 Meter hohe Wasserdampfsäule in die Höhe. Der Hike im Upper Geysir Bassin lohnt sich auf jeden Fall und bekommt eine klare Empfehlung.

Selbst unser kleiner Paul hat gut mitgezogen, obwohl er eine kleine Erkältung hatte. Allerdings war er dann heute Abend so schlapp, dass er seit halb acht schnorchelt. Endlich weiß ich, wie ich ihn müde bekomme. Der Spruch des Tages kam dann auch von Paul. Nach dem Hike im Upper Geyser Bassin wieder im Auto sitzend meint er zu uns: „Mein Fuß ist abgelaufen.“ Hmmm … „Wieviel Zentimeter?“ „Zwei. Bestimmt.“ Allerdings vermuten Yannick und ich, dass was anderes hinter dem „abgelaufen“ steckt. Wurde uns schlagartig bewusst, als Paul seine Sandalen auszog. Das muss das Mindesthaltbarkeitsdatum gewesen sein, was abgelaufen ist. Oder kamen wir gerade an einem Geysir vorbei?

Wie immer: Bilder von Yannick.

Und unsere YAP News Tageszusammenfassung. Viel Spaß.

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