El Yunque

El Yunque #001Der Name des Tafelbergs El Yunque in Puerto Rico steht Pate für den gleichnamigen Nationalpark im Osten der Insel. Bei über 30°C und einer Luftfeuchtigkeit jenseits von Gut und Böse ist es leider sehr bedeckt und der Amboss, wie El Yunque aus dem spanischen heißt, umgibt eine dichte, tiefhängende Wolkendecke die den Blick auf den Berg leider verwehrt. Es ist der Beginn der Hurricane Saison und das Wetter war die zwei Tage auf Puerto Rico leider etwas unbeständig. Obwohl am Sonntag die Sonne ihre volle Kraft entfalten konnte, wie meine leicht verbrannten Knie nachher gezeigt haben. Warum nimmt man Sonnencreme mit, wenn man sich eh nicht eincremt? Wird (mir) wohl ein Rätsel bleiben.

Am Samstag im Regenwald hätte man die auch nicht gebraucht. 10, sehr interessante, aufregende, abenteuerliche, aber auch entspannte Stunden ging es in den Osten der Insel, in den El Yunque National Forest. Auf der Suche nach Schlangen, Papageien und Coqui, dem allgegenwärtigen kleinen Frosch, der Laute von sich gibt als würde ein Singvogel im Baum sitzen, haben wir leider nur Schnecken gesehen. So oder so ein netter Anblick, wie ich fand. Unser Tourguide Debbie hat dabei sehr unterhaltsam über die bewegte Geschichte Puerto Ricos erzählt und viele kleine Anekdoten zum Besten gegeben. Debbie spricht 7 Sprachen fliessend und oftmals in einem Satz zusammen. „Man weiß nie, was rauskommt“ sagte sie, als sie eine Frage mit „Qui“ beantwortet und dann auf English weitererzählt. Geboren in (oder auf?) Puerto Rico, hat sie ihre Jungend in der Schweiz verbracht, sprach daher auch gut Deutsch und Französisch, um dann über Kalifornien wieder zurück in ihre Heimat zu gehen. Scheint wahrlich einige Länder gesehen zu haben. Wir hatten jedenfalls viel Spaß und die Geschichte der Insel wurde anschaulich erzählt. Von den verschiedenen Eroberungen der Spanier und Portugiesen bis hin zu den USA.

Puerto Rico ist an und für sich ein eigener Staat, gilt aber als inkorporiertes Gebiet der USA. Es wird mit Dollar gezahlt, und alle Puerto-Ricaner besitzen die US-amerikanische Staatsbürgerschaft, es wird an Präsidentschaftswahlen teilgenommen, aber die  Puerto-Ricaner haben nicht sämtliche Rechte die ein US-Bürger hat. Irgendwann Ende 2012 ist dann wohl ein Referendum geplant, wo der erste Schritt unternommen werden soll, Puerto Rico als vollwertigen Staat in die Staatengemeinschaft der USA aufzunehmen. Ob Debbie jetzt dafür oder dagegen war, ließ sich nicht genau raushören, aber wir waren ja auch nicht auf politischer Bildungsreise. Trotzdem waren die kleinen Spitzen und Geschichten rund um die Verflechtung mit den USA höchst amüsant. So wird zum Beispiel das Benzin an den Tankstellen in Litern und nicht in Gallonen gemessen und berechnet, Milch und andere Getränke aber in Gallonen. Die Geschwindigkeitsbegrenzung wird in Meilen pro Stunde angegeben, geblitzt wird aber in Kilometer pro Stunde. Und auch die eventuellen Tickets werden dann nach km/h „abgerechnet“. Debbie’s lakonischer Spruch: „Grad wie es so passt.“ (In diesem Moment hatte ich Pipi Langstrumpf vor Augen. Wenn Debbie’s rotes Haar nur ein klein bisschen länger gewesen wäre…)

Aber zurück zu El Yunque, dem eigentlichen Ziel der Exkursion. Nachdem wir ein paar historisch interessante Stellen und Stätten angefahren haben, bei der es wiederum sehr viele Informationen von Debbie gab, wurden wir oberhalb eines kleinen Flusses, der sich über Stock und Stein den Weg durch Ur Regenwald bahnte, aus dem Van gelassen und sind in einem Bogen die gut 4 Meilen am Ufer des Flusses wieder zur eigentlichen Straße zurückgelaufen. Über einen übelst glitschigen Pfad ging es zuerst bergab zum Fuße eines ca. 20 Meter hohen Wasserfalls. Am Fußes des Wasserfalls hätte man baden können. War aber sehr bevölkert dort unten, so dass ich darauf verzichtet habe. Oberhalb des Wasserfalls waren auch einige Leute im Wasser, und die haben bestimmt in den Fluss gepullert. War mir auch schon so warm genug. Ob von der Wärme oder der Luftfeuchtigkeit kann ich allerdings nicht sagen. Leider wollte auf dem Weg runter zum Wasserfall auch keiner mit mir „Ich sehe was, was Du nicht siehst, und das ist grün.“ spielen. Tztztztzt. Und, war ja klar, „what goes down must come up“, führte uns der weitere Rückweg natürlich nach oben. Die letzen anderthalb Meilen sogar recht stark. Wurd‘ mir auch sofort klar, warum Debbie nicht mitgelaufen war, sondern mit dem Van am Zielpunkt gewartet hatte. 3 Minuten lang war sie uns dann nicht mehr so sympathisch. Aber wir haben Schnecken gesehen. Immerhin.

El Yunque #011

El Yunque #008

 

 

 

 

 

 

 

 

Als wenn sie es gewusst hätte, ging es danach zum Lunch. Nu ja. Hüllen wir den Mantel des Schweigens darüber. War lecker, aber es gab keinen Nachschlag. Zumindest weiß ich jetzt, es gibt auch Pina Colada ohne Rum.

Nach einem Entspannungsaufenthalt am Strand, der Atlantik soll sehr warm gewesen sein, ging es zum eigentlichen Höhepunkt der Tour. In den kleinen Ort Fajardo im Nordosten der Insel. Dort ging es mit Kajaks in die „La Laguna Grande“. Da ich für das Kajak keinen Partner hatte, kam ich mit Jim zusammen. Netter Typ. Aufgewachsen in der Nähe von New York, dann irgendwas in New Jersey gemacht, lebt er jetzt in Florida, arbeitet aber saisonal auf Puerto Rico. Auch nicht schlecht. Allerdings hat er sich beim paddeln eher einer britischen Zurückhaltung besonnen. Vielleicht kamen seine Vorfahren von der Insel? Wer weiß. Definitiv und jedenfalls nicht aus Deutschland, sonst wüsste ich das jetzt. Der Weg mit den Kajaks führte zunächst über die vorgelagerte Bay. War etwas starker Wellengang. Aber so ein alter Seevossibär wie ich, praktisch mit Paddeln und paddeln groß geworden, steuerte ich uns durch die Dünung (Jim war wirklich etwas paddelfaul) auf den Eingang der Lagune zu. Immer den anderen Booten folgend, zu denen ich einen beachtlichen Sicherheitsabstand gelassen habe. Man weiß ja nie. Wichtig zu erwähnen ist vielleicht noch, dass es mittlerweile dunkel war. Man sah mal gut einen Meter weit, als es in den Eingang der Lagune ging.

Unter überhängenden Mangroven, mit dreien hat mein Kopf Bekanntschaft gemacht, ging es immer tiefer in die Lagune. Warum macht man das bei Dunkelheit? Nun, um die biolumineszierenden Planktondinger zu sehen. Absolut stark. Das Kajak glitt unter meinen kraftvollen Zügen durch die Lagune (Jim hat wohl eher die Biolumineszenz bewundert), und rund um das Kajak leuchtet das Wasser  grün-gelb. Jeder Paddelzug hinterließ eine grün-gelbe Spur. Wenn man die Hand in das Wasser tauchte und damit wedelte, „glühte“ das Wasser geradezu. Faszinierend. Leider gibt es keine eigenen Bilder davon. Aber hier mal ein Eindruck, wie es ausgesehen hat.

Foto con brillo

Die anderthalb Stunden gingen leider viel zu schnell rum, und nach einem erneuten, von mir kraftvoll angetriebenen Spurt durch die Bay erreichten wir sicher die sichere Anlegestelle. Das war mal ’nen nettes Abenteuer.

Zu Puerto Rico selbst kann ich wenig sagen, dafür war die Zeit zu kurz. Es ist halt ein sehr beliebtes Reiseziel für US-Amerikaner. Ich würde es vielleicht mit Malle vergleichen, tue da der einen oder anderen Insel unter Umständen mit Unrecht, aber vom Grundsatz passt das wohl. Ob ich jetzt aus Deutschland nach Puerto Rico fliegen würde, glaub ich eher nicht. So war es aber mal eine kleine nette Tour. An dieser Stelle ein dickes Dankeschön an meine beiden Mitreisenden. Hat mir sehr viel Spaß gemacht. Danke.

Paar wenige Bilder gibt es hier. Alles grün.

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