Eine Muschel im Garten

Sandy – Aftermath

Sandy ist vorbei und jetzt geht’s ans aufräumen und sauber machen. Man kann von Glück sagen, das Capitol Manor nicht zu nah an der Küste ist. Zum Long Island Sound geht es sogar über einen kleinen Hügel, der das Schlimmste abhält. Und der Atlantik ist weit genug entfernt, dass da nichts passieren kann. Die Gebiete an der Küste hier auf Long Island hat es mit Überschwemmungen heftig getroffen, die Situation draußen auf den Straßen ist auch nicht viel besser. Freunde, die unterwegs waren, berichteten so davon:

Trees down all over… Lots of traffic and detours …Traffic lights out
Looks like a war zone
Streets are flooded
Stay home if you don’t need to go somewhere

Bin grad mal froh, dass ich da zurzeit nirgendwo hin muss. Könnte ich aber auch gar nicht, da es doch einen kleinen Schaden zu berichten gibt. Ein Reifen am Dodge hat den Sturm nicht überlebt. Absolut platt. Muss mal sehen, wie ich den (aus)gewechselt bekomme. Nicht schön, aber gering zu anderen Schäden hier in der Gegend. Das ist aber zurzeit nicht meine größte Sorge.

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Viel schlimmer ist, dass es nunmehr seit 24 Stunden der Strom weg ist. Laut der LIPA (Long Island Power Authority. Wenn man so will, so was wie die Stadtwerke und zuständig für die Stromversorgung auf Long Island) kann es noch 7 – 10 Tage dauern, bis der Strom überall wieder da ist. Auf Long Island haben zurzeit 90% der Haushalte keinen Strom. Küstenweit sind laut Nachrichten ein paar Millionen Haushalte betroffen und müssen ohne Strom auskommen. Ich hoffe, dass durch die relative Nähe zu Queens der Strom hier eher wieder da ist. Aber zuerst mal müssen alle Bäume die noch in den Stromleitungen hängen, entfernt werden. Dann schauen die LIPA Leute die ausgefallenen Transformatorhäuschen nach und dann wird der Strom nach und nach wieder hochgefahren. So wusste zumindest Nachbar Paul von schräg gegenüber zu berichten, dessen Bruder bei der LIPA arbeitet. Auf die Frage hin, ob er da nicht ein paar Beziehungen spielen lassen könnte, dass wir hier sozusagen als Teststraße zuerst wieder Strom bekommen, konnte er aber auch nur grinsen. Das “It’s 5 o’clock somewhere”-Bier während wir draußen zusammen aufgeräumt haben, musste ich leider auch ablehnen. Prost, aber ein heißer Kaffee wär mir lieber gewesen.

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Mittlerweile ist die Capitol Ave wieder befahrbar. Die beiden Bäume wurden entfernt und man kommt wieder durch. Ich habe 12 Säcke Laub, Blätter und Äste zusammengeharkt und der Vorgarten kann wieder an “unser Dorf soll schöner werden” teilnehmen.

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Wie allerdings die Muschel in den Garten gekommen ist, kann ich mir nicht erklären. Das mal was kurios.

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Der öffentliche Nahverkehr ist immer noch stillgelegt und zurzeit weiß niemand, ob und wann die LIRR wieder fährt. Kann morgen sein, kann aber auch erst am Donnerstag wieder was werden. Die zentralen Bahnhöfe, Penn Station und Jamaica, sind und bleiben bis auf weiteres gesperrt, und man soll sich über die Webseite informieren. Schön und gut, aber … der Stromausfall bedingt auch, dass es kein wirklich funktionierendes Internet gibt. Von Serverausfällen ganz zu schweigen. Dadurch, dass es keinen Strom und somit auch kein Telefon gibt, sind die Funknetze hoffnungslos überlastet. Aus dem Land telefonieren ging den Tag heute über gar nicht, und auch Inlandstelefonat sind eher schwierig. Die Überlastung der Funknetze hat auch Auswirkungen auf das LTE und 3G Netz der Anbieter. Ich hab zwei Anbieter, Sprint und AT&T Nur über AT&T hab ich überhaupt eine Internetverbindung, die aber leider auch nicht immer arbeitet. Somit ist meine Kommunikation zurzeit ganz schön eingeschränkt. So kommen viele Informationen spät oder sehr langsam hier an. Beste Quelle, was draußen und anderswo los ist, ist noch Twitter und Facebook. Dazu auf jeden Fall die Seite von “News 12”.

Vorhin hab ich mal wieder den Fehler gemacht, mir ein, zwei deutsche Nachrichtenseiten anzuschauen. Sollten News nicht sachlich sein? Aber die Auflage steigt wohl mit reisserischen Aufmachern. Vielleicht mit den CNN Reportern zu vergleichen, die während Sandy über uns wegzog, bis zum Bauch im Wasser gestanden haben sollen, um ihre Berichte abzuliefern. Stupid is, who stupid does. Was mir aber am meisten die Haare zu Berge stehen lässt, sind wieder einmal die Kommentare von Lesern in deutschen Nachrichten. “Geschieht den Amis recht.” “Selbst schuld bei der maroden Infrastruktur. Aber Hauptsache noch ein paar Millionen in das Militär stecken.” “Nein, ich war noch nie in den USA. Will da auch nicht hin.” Schade. Bei solch dumm-dreisten Kommentaren hätte man ihn gestern Abend mal auf die Terrasse von Capitol Manor stellen sollen. Unangebunden. Da fehlen mir echt die Worte.

Bleibt zu sagen, dass hier auf Capitol Manor alles soweit ok ist. Versuche das Beste aus der Situation zu machen und muss mich jetzt wohl erst mal um einen neuen Reifen kümmern. Das wird so oder so ein Abenteuer, weiß ich jetzt schon.

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