Sägespäne

Haben vor ein paar Tagen noch Blätter und Äste die Straßen gesäumt, sind es jetzt Sägespäne. Überall hier in der Gegend wird daran gearbeitet, die umgestürzten Bäume aus den Stromleitungen und leider auch aus den Häusern zu sägen. Eine Unmenge von Sägespänen säumt dabei die Straßen. Welche Kraft der Sturm dabei gehabt hat, sieht man den Bäumen, die samt Wurzel und Bürgersteig hochgerissen wurde. Klar kennt man diese Bilder aus dem Fernsehen von anderen Stürmen, aber wenn man jeden Tag vorbei kommt, oder die alle paar Meter sieht, ist es noch mal was anderes. Das hier ist der entwurzelte Baum ein paar Häuser neben Capitol Manor, vor dem Haus des Chiefs.

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Und noch zwei andere Bilder:

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Mich haben zwei, drei Mails erreicht, wo gefragt wurde, ob die Lebensmittel und Wassersituation, und die Benzinsituation wirklich so ist, wie in deutschen Medien dargestellt. Nun, ich weiß nicht, was da berichtet wird, aber es ist schon so, dass es z.B. kaum noch Benzin gibt. Zum einen haben viele Tankstellen noch geschlossen, weil sie (noch) keinen Strom haben. Und ohne Strom pumpt sich das Benzin so schlecht. Zum anderen herrscht zurzeit erheblicher Kraftstoffmangel. Vor den Tankstellen bilden sich ungelogen meilenlange Staus. Man muss bis zu drei Stunden warten, um überhaupt tanken zu können. Die Countyregierung, so was wie die Kreisverwaltung, hat jetzt eine Verfügung rausgegeben, dass Autos aufgetankt werden dürfen, Reservekanister für z.B. die laufenden Generatoren aber nur bis 10 Gallonen gefüllt werden dürfen.

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Das ist mit Sicherheit für die Leute, die noch Generatorstrom erzeugen müssen, ein echter Einschnitt. Und das, wo der Wetterdienst eine Kaltfront mit weiteren starken Sturmböen angekündigt hat. Im übrigen, wie auch die letzten Tage, ist Twitter die News-Quelle der Wahl. Es wird pausenlos getweetet wo z.B. eine Tankstelle noch Benzin hat. Die Lage soll sich auch so schnell nicht entspannen, man ist also angeraten, Benzin zu sparen und möglichst wenig zu fahren. Als ich vorhin zum einkaufen los war, ich wollte mal was Frisches haben, bin ich an einer Tankstelle auf dem Jericho Turnpike vorbeigekommen, die hatte eine Schlange von gut 1,5 Meilen. Als ich zurückfuhr, stand dort keine Wagen mehr und die Tankstelle war zu. Scheint der Sprit ausgegangen zu sein. Mittlerweile gibt es wohl eine Anordnung von Präsident Obama, möglichst schnell und unkompliziert Benzin nach Long Island zu schicken.

Also, ja, die Benzinsituation ist sehr angespannt.

Man sollte eh sehr vorsichtig fahren. Durch die Stromsituation bedingt gibt es kaum geschaltete Ampeln. Die Kreuzungen sind zum überwiegenden Teil noch stromlos. Gerade links abbiegen auf 4-spurigen Straßen macht da besonders viel Spaß. Aber, dreimal rechts ist ja auch einmal links. An den Kreuzungen geht es dennoch meistens nur mit Rücksicht und Handzeichen. Das wiederum klappt sehr gut, auch wenn es dadurch schleppend voran geht. Es geht zumindest voran.

Das führt aber zum nächsten Problem. Der öffentliche Nahverkehr wird peu-a-peu wieder hergestellt und ans Laufen gebracht. Busse fahren auf Long Island schon seit Mittwoch wieder. Es gibt auch einen Fahrplan, aber den sollte man knicken. Irgendwann kommt schon so ein Bus, nur nicht eben dann, wann er hätte kommen müssen. Auch die Busse müssen durch den nicht geregelten Verkehr und so verschiebt sich zwangsläufig der Fahrplan.

Ein kleines Problem gemessen an den Problemen der Bahn. Die LIRR hat immer noch Probleme die Sturmschäden zu beseitigen. Einige Strecken sind durch das Wasser, was sie überflutet hat, mitgenommen, auf anderen Streckenabschnitten liegen noch Bäume, die entfernt werden und werden müssen. So fahren zurzeit nur zwei Branches, wobei eine davon in Mineloa vorbei kommt und (normalerweise) auch halten sollte. Nur, wenn die Züge voll sind, nimmt sich die LIRR das Recht heraus, an Stationen nicht zu halten, sondern durchzufahren. Aus Sicherheitsaspekten zu verstehen, trotzdem schaut man doof aus der Wäsche, wenn der Zug den man nehmen wollte einfach weiterfährt, und der nächste Zug erst eine Stunde später kommt. Da ist noch einiges zu tun. Neue Daten, wann denn mehr Züge, rsp. zusätzliche Linien fahren sollen, gibt es nicht. Es heißt nur, dass man mit Hochdruck an der Wiederherstellung arbeite.

Beim Einkaufen wurde ich auch überrascht. Es gibt immer noch oder schon wieder, weiß ich nicht, leere Regale.

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Gerade Milchartikel und Gemüse/Obst sind nicht zu bekommen. Wer die amerikanischen Läden kennt, wundert sich. Sonst meterlang mit „nur Wurst“ oder „nur Yoghurt“, muss man jetzt Glück haben, etwas zu bekommen. Aber das ist nicht allzu dramatisch, und sicher nur eine Nebenerscheinung, zumal das aus anderen Geschäften nicht berichtet wird.

Und dass man (endlich) den Marathon abgesagt hat, halte ich persönlich für eine gute Entscheidung.

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