Coke Zero 400

“There is no doubt about precisely when folks began racing each other in automobiles. It was the day they built the second automobile.”
― Richard Petty

IMG_1150Was eine Nacht. Eigentlich sollte das Coke Zero 400 am Sonntag Abend um viertel vor 8 gestartet werden. Aber wie schon am Vortag ziehen seit 18 Uhr Gewitter durch die Region und regnen sich natürlich über der Rennstrecke ab. Rund herum ist ja auch so gar kein Platz. Nun gut, ist halt Wetter, aber freuen muss es einen ja nicht. Ich war schon davon ausgegangen, dass das Rennen für heute abgesagt wird und auf morgen verschoben wird. Was ja auch nicht weiter schlimm gewesen wäre, wir sind ja extra einen Tag länger in Daytona Beach. Zum einen weil Urlaub, zum anderen weil genau so eine Rennverschiebung eben passieren kann. Wir befinden uns halt in der Regenzeit und man kann eigentlich davon ausgehen, dass es Abends etwas regnen kann. Und Regen ist nicht gut für ein NASCAR Rennen. Da fahren die nämlich nicht.

Als es gegen 21 Uhr immer noch am regnen war und ich davon ausging, die verschieben das jede Sekunde, sind Paul und ich mal langsam zum Auto zurück geschlendert. So warten und einfach nur auf den Big Ass Fan zu schauen, ist nur wenige Minuten interessant. Gab’s halt noch ein Eis auf dem Weg. Fast am Auto angekommen, kam die Info, dass die anfangen die Rennstrecke zu trocknen und dass das Rennen auf jeden Fall heute noch gestartet werden soll. Ok. Lass mal rechnen. Es ist halb 10. Die brauchen gut zwei Stunden um die Strecke trocken zu pusten, dann ist halb 12. Plus noch ein bisschen Gehampel hier und da, und es ist 12. Dann 3-3,5 Stunden Rennen. Sind wir also gegen 4 wieder im Hotel. Man gut, das wir morgen frei haben. Also sind wir langsam wieder zurück zur Rennstrecke.

Da unsere Idee die Rennstrecke zu verlassen auch ein paar tausend andere hatten, dauerte der Wiedereinlass seine Zeit. Was wiederum nicht so schlecht war, weil warten in einer Schlange die sich langsam bewegt, einfacher zu ertragen war, als warten, wenn gar nichts passiert. Zumindest für Paul.

Entgegen dem Rennen von gestern, saßen wir diesmal weiter oben, Ausgang Turn 4, kurz vor der Boxengasseneinfahrt. Im Nachhinein hat sich das als sehr gut herausgestellt. Auch wenn wir nicht weit unten gesessen hätten, oben sieht man einfach mehr von der Rennstrecke, hätte mich das, was zum Schluss des Rennens passiert ist, ganz schön erschreckt. Dazu gleich mehr.

Das Rennen wurde gegen 23:45 Uhr gestartet. Wir sahen ein spannendes, und in weiten Teilen für einen Superspeedway ein „normales“ Rennen. Durch Zufall konnte ich einen Zwischenfall, der sich auf unserer Höhe ereignet hat, mit aufnehmen. David Gilliland dreht sich Ausgang Turn 4. Sieht erst wie ein normaler Dreher aus, entwickelt dann aber eine typische Eigendynamik und reißt gut 8 – 10 Autos mit in den Unfall.

Dale Earnhardt Jr. dominiert das Rennen von Anfang an. Auch wenn er im Verlauf des Rennens mal etwas weiter nach hinten gereicht wird, schafft er es immer wieder sich nach vorne zu arbeiten und liegt 10 Runden vor Schluss in Führung. Stärkster Widersacher ist Jimmy Johnson. Aber das Auto von Junior ist zu stark. 4 Runden vor Schluss kommt Sam Hornish Jr. von der Strecke ab, und löst eine Gelbphase aus. Da die Aufräumarbeiten länger dauern, muss das Rennen in die Verlängerung: Green-White-Checkered. Ein NASCAR Rennen geht nicht in einer Gelbphase zu Ende. Ein Sieg wird immer ausgefahren, auch wenn das Rennen dann über mehr Runden geht, als angesetzt. Nachdem die Gelbphase also beendet ist, gibt es mindestens noch zwei Runden, um einen Sieger zu ermitteln. Das Ganze kann bis zu dreimal wiederholt werden.

Junior gewinnt auch den Restart zum Finale und schafft es, beide Lanes die sich hinter ihm bilden, erfolgreich über 2 Runden zu blocken. Das war wirklich mal eine Clinic und absolut anschauenswert. Wir hatten Junior und seinen Spotter die gesamte Zeit auf den Kopfhörern. Schon cool, wenn man den Jungs beim Arbeiten zusehen und zuhören kann. Und weil ich mir dachte, dass es nett wäre so ein bisschen von den letzen zwei Runden in den News zu haben, hab ich die mit aufgenommen. So dann auch das etwas erschreckende Finale.

Junior führt das Feld durch Turn 4 und hat gut eine Wagenlänge Vorsprung vor Jimmy Johnson. Publikum freut sich, das ihr Liebling Junior das Rennen wohl gewinnen wird. Das Feld passiert die Ziellinie und dann ist nur noch Chaos und fliegende Autos: Auf der Ziellinie verliert Danny Hamlin die Kontrolle über seinen Wagen, der nach rechts ausbricht. Dabei wird er von hinten angeschoben und dreht sich einmal komplett um seine Achse. Als der Wagen die 180 Grad geschafft hat, erwischt er mit der Front den linken Vorderreifen von Austin Dillon. Das Auto mit der Nummer 3 von Austin Dillon geht sofort Airborne, überschlägt sich vertikal über die anderen Autos hinweg und prallt mit 190 Meilen pro Stunde in den Sicherheitszaun. Ich meine, zum Glück mit der Unterseite des Autos. Der Aufprall ist so stark, dass der komplette Motorblock weggerissen wird und im Infield zum liegen kommt. Der Wagen von Austin Dillon wird zurück auf die Strecke geschleudert und dort, auf dem Dach liegend, von Brad Keselowski gerammt.

Man konnte förmlich spüren, das 100.000 Leute den Atmen anhalten. Der Sicherheitszaun auf 10 Metern weggerissen; es liegen ein paar brennende Wrackteile auf der Strecke und das Auto von Austin Dillon besteht nur noch aus dem Sicherheistkäfig. Und was ist mit den Zuschauern, die in dem Bereich gesessen haben?

Sofort rennen die Crewmitglieder von Dale Earnhardt Jr. zum verunglückten Auto. Und wir haben immer noch den Spotter und die Crew von Junior auf den Ohren. Der Spotter sagt: „Don’t touch him. Don’t touch him. Even if he says, he’s ok, don’t touch him.“ In dem Moment fiel mir dann auch ein, ich sollte doch mal schauen, was Paulchen macht. Drehe mich zu ihm um und er sagt mit großen Augen nur: „Hoffentlich ist der ok.

Sekunden später dann die wirkliche Erlösung: Austin Dillon ist selbst aus dem Auto ausgestiegen und zeigt „Daumen nach oben.“ Zum Glück.

Hier ein Link zu einem YouTube Video des Unfalls. In den News sieht man den Unfall von hinten und natürlich von sehr viel weiter weg.

Die Zuschauer, die in dem Bereich gesessen haben, sind im Großen und Ganzen auch mit dem Schrecken davon gekommen. Es gab wohl ’nur‘ sehr leite Verletzungen durch herumfliegende Trümmerteile. Auch eine Erleichterung.

Die heutigen News (oder die von gestern? Wir haben den Überblick verloren) im O-Ton:

 

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