Huck Finn, Brad Pitt und Zuckerrohr

“All right, then, I’ll go to hell.”
― Huckleberry Finn, The Adventures of Huckleberry Finn

Was Huckleberry Finn, Brad Pitt und Zuckerrohr miteinander zu tun haben? Erst mal nicht viel. Aber versuchen wir mal die drei Sachen zu verbinden. Sollte uns gelingen. Denke ich.

Nach unserer kleinen Pleite von gestern, ging es heute am Mississippi hoch und runter. Leider sieht man vom Fluss selber nicht sehr viel. Durch bis zu 8 Meter hohe Dämme sind die Gemeinden und Städte die relativ nah am Mississippi liegen, vor dem viertlängsten Flusssystem der Erde geschützt und man merkt gar nicht, dass man an einem Fluss entlang fährt. Wären die zahlreichen Ölraffinerien nicht, könnte man wohl komplett vergessen, dass der Strom gleich nebenan fließt. Die Dämme sind wohl aber auch sinnvoll, wenn man sich die Überschwemmungen anschaut, die der Mississippi verursachen kann. 2011 war die letzte große Überschwemmung, wobei 80.000 Quadratkilometer überschwemmt wurden. Das ist ein Gebiet, größer als Italien. So gerne wir also einen Blick auf den Mississippi werfen würden, können wir auch die Existenz der Deiche verstehen.

2015 07 12 001Auf der Fahrt nach Montz kommen wir an mehreren, etwas heruntergekommenen Hütten vorbei und ich frage Paul, ob er Tom Sawyer und Huckleberry Finn kennen würde. Und Tante Polly und die Witwe Douglas. Den Namen kannte er wohl, aber die Geschichten hätte er noch nicht gelesen. Obwohl ich glaube, dass die Geschichten um Huck Finn weiter nördlich spielen (ist schon einige Jahre her, als ich das gelesen habe), könnte ich mir gut vorstellen, dass das auch hier hätte sein können.

Sowohl flussaufwärts, als auch -abwärts gibt es zahlreiche Antebellum Plantagen, die in der Hochzeit der Sklaverei gebaut wurden, die Wirren des Bürgerkriegs irgendwie überlebt haben und sich heute noch so präsentieren, wie vor 170 Jahren. Viele der Plantagen befinden sich in privater Hand und können nicht besichtigt werden. Außer man ist ein guter Freund von Familie Smith oder Johnson. Da wir man dann vielleicht mal auf einen Nachmittagstee eingeladen. Oder eine süße Limonade. Denn die meisten Plantagen bauen heute, wie damals, Zuckerrohr an. Das Zuckerrohr steht in lange Reihen auf riesigen Feldern. Früher wurde das Zuckerrohr von Sklaven abgebaut, heute macht das Master Trecker.

Neben den privaten Plantagen gibt es auch welche, die man besichtigen kann und die heute als National Landmarks unter Denkmalschutz stehen. Wollte man alle Plantagen anschauen, bräuchte man wohl ne Menge mehr Zeit und ne Menge mehr Geld. Eintritt schlägt so mit 30 Dollar / Plantage zu Buche. So beschränken wir uns darauf, die kleineren, weniger bekannten Plantagen nur von der Straße aus anzuschauen. Sind ein paar ganz nette Villen dabei.

2015 07 12 006Welche ich aber auf jeden Fall sehen wollte, war die Oak Alley Plantage. Ist, so meine ich, auch die bekannteste hier in der Region. Von 1836 – 1839 wurde das dreistöckige Gebäude erbaut und war „Heimat“ für gut 180 Sklaven, die auch hier Zuckerrohr abgebaut und daraus Zucker gemacht haben. Die Plantage wechselte ein paar mal den Besitzer und wurde 1972 der National Landmark Association (oder wie immer das auch heißt) übergeben, nachdem die letzte Besitzerin gestorben war.

Ok ok ok, ich geb’s zu: Bis vor ein paar Stunden wusste ich das auch alles nicht, aber der Besuch der Plantage schliesst eine umfangreiche und kurzweilige Führung durch das Haus mit ein. Dabei wird man von einer Southern Belle durch das Herrenhaus und seine Geschichte geführt. Ich fand das sehr informativ und Paul war es auch nicht langweilig, hatte er die (fast) Simultanübersetzung der Geschichte immer im Ohr. Wobei ich so ein paar unwichtige Details weggelassen habe.

Was ich aber z.B. sehr interessant fand: Die hatten damals keine Toiletten im Haus. Entweder ab nach draussen, in eins der Häuschen mit dem Herzen oder in einen Eimer machen. Grob übersetzt. Gekocht wurde bis Anfang des 20ten Jahrhunderts auch nicht im Haus. Küche war viel zu gefährlich, da die gerne mal abgefackelt sind. Eine Küche wurde in Oak Alley erst 1925 nach einer umfangreichen Renovierung eingebaut. Und obwohl die Villa drei Stockwerke hat, wurden nur zwei davon bewohnt. Da Klimaanlagen um 1840 nur sehr sehr dünn gesät waren, ich wage gar zu behaupten, die gab es da noch gar nicht, war es unmöglich das oberste Stockwerk irgendwie angenehm zu kühlen. Dort herrschen im Sommer so 48°C (120°F). Da haben die das damals doch eher als Stauraum genutzt. Klever, mussten sie keinen Keller bauen.

Was noch interessant war: Unsere Southern Belle stellte sich am Schluss der Führung als 16jährige Maddison vor, die Senior an der Junior High ist. Könnt ja mal in den News schauen. Wir machten jedenfalls große Augen.

Unsere heutigen Southern Belle News:

Ah, ja. Moment, da war noch was. Brad Pitt. Siehste, lohnt immer bis zum Ende zu lesen. Also … die Oak Alley Plantage wurde in einigen, mehr oder weniger erfolgreichen, Hollywoodfilmen und Fernsehproduktionen als Kulisse gewählt. So diente die Plantage unter anderem für True Detective, als auch für Interview mit einem Vampir als Kulisse. Und da spielt Brad Pitt mit. Und sitzt in der einen Einstellung genau auf dieser Bank:

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